Paris, St-Denis, Langhaus, Gewölbe

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SAINT-DENIS

St-Denis, die Grablege des französischen Königshauses, besitzt in seinem Chor mit doppeltem Umgang und Kapellen den ersten Bau der Gotik überhaupt.

Westbau um 1130/35-1140. Westfassade 1137, Chor 1140, Langhaus 1231-81.

Rekonstruktion der Fassade. Vorbild des Westbaus: normannische Bauten wie St-Trinité in Caen.

Der Neubau des Abt Suger begann 1137 mit dem Bau der Westfassade, die die erste Fensterrose und die ersten Gewändeplastiken als Könige Israels zeigt. Die plastische Durchgestaltung wird fortgesetzt mit der Gliederung durch Strebepfeiler, die die Mitte durch größere Breite betonen in Form einer großen Toreinfahrt als Symbol des Eingangs ins himmlische Jerusalem (vergl. dazu CAEN aus dem 11. Jh.), und das Aufgeben einer horizontalen Geschosseinteilung. Das Verbinden von Fenstern mit entsprechenden benachbarten Blendbögen steigert die Tendenz zur „Auflösung“ und „Verschleierung“ der Wand (Gesimse 19. Jh.).

Portalzone

1771 Säulenfiguren herausgerissen, die Revolution zerstörte die Tympana und die Architrave.

Restaurierung 1839/40 Misshandlung (also fast nichts original!)

Durliat, Marcel: Romanische Kunst. Freiburg-Basel-Wien 1983, S. 346: „1140 wurde in St-Denis ein Fassadentyp gewählt, der in seiner Struktur stark von normannischen Abteien, besonders von St-Étienne (St. Stephan) in Caen, beeinflusst war. Sein plastischer Dekor setzte aber einen Schlusspunkt hinter alle Versuche romanischer Bildhauer zur Ausgestaltung der Portale in Burgund, im Languedoc, in Aquitanien und in Norditalien. Von Vézelay entlieh die Fassade Sugers die Idee der drei skulptierten Portale mit dem betonten Mittelportal, vom Westen die Wertschätzung der Archivolten, von Burgund und dem Languedoc die großen Bildfelder des Tympanons, vom Italiener Niccolò und von Gilabertus aus Toulouse die Behandlung der Laibungen. Dieser krönende Abschluss vieler Jahrzehnte der Anstrengungen und der Versuche tat gleichzeitig einen Schritt in die Zukunft.“

Erfindung der Säulenfiguren, sehr verstümmelt. Besser erhalten die Chartreser von zwischen 1142 und 1155.

Der Chor (Obergaden im 13. Jh. in hochgotischer Form verändert) führt 1140 durch die Orientierung der Säulenstellung an den Linien eines auf den Altar zulaufenden Strahlenkranzes die gotische Lichtmystik ein. Die Chorumgänge sind nicht mehr durch Zwischenwände voneinander getrennt, so dass das Licht ungehindert einströmen kann. Die Kapellen sind mit dem äußeren Umgang durch einheitliche Gewölbe verbunden, die - entsprechend dem Prinzip der Fassadengestaltung - die romanische Raumgliederung des Aneinanderreihens auflösen und den Keim legen zum großen gotischen Einheitsraum.

„Die Vorstellung von der Kirche als Abbild und irdischer Verwirklichung des Gottesstaates ist echt mittelalterlich und darf bei Bauherren und Laien vorausgesetzt werden. So schreibt Suger in der Beschreibung von St-Denis: „In der Mitte hoben 12 Säulen, entsprechend der Zahl der Apostel, und ebensoviel in den Seitenschiffen, die Zahl der Propheten kennzeichnend, den Oberteil des Gebäudes empor, nach den Worten des Apostels, der im Geiste baut: `So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, welcher die Wände von beiden Seiten eint [im Schlussstein], in dem jedes Bauwerk, sei es geistig oder materiell, wächst zu einem heiligen Tempel des Herrn' (Paulus, Eph. 2,19,20).“ (Bandmann, Günter: Mittelalterliche Architektur als Bedeutungsträger. Berlin 1979. S. 64)

Der Chor wurde in nur dreijähriger Bauzeit vollendet. Nach dem Tod Sugers trat der von ihm befürchtete Stillstand in der Bautätigkeit ein, so dass das Langhaus erst 1231 in Angriff genommen wurde und jetzt die Gliederungsformen der Hochgotik einsetzte. Gleichzeitig mit Amiens tritt hier das durchlichtete Triforium zum ersten Mal auf.

West-Fassade, Grundsteinlegung 9.6.1137-40 unter Abt Suger (9.6.1140 Weihe)

Chorumgang 11.7.1140-10.43 (11.7. (6.?) 1144 Weihe)

Langhaus 1231-81

Der Nordturm war 1837 vom Blitz getroffen worden und anschließend abgerissen worden.

INNEN

Statt der fünfteiligen Rundsäulen in Amiens und Reims hier Kreuzpfeiler mit Säulen-, bzw. Dienstvorlagen. Ununterbrochen vom Boden aufsteigende (unverkröpft, Kernsäule nicht mehr existent: Bündelpfeiler oder Bündelung von Säulen), dreiteilige Bündeldienste.

Verglastes, als deren Sockel mit den Fenstern verbundenes Triforium. Das Mittelschiff ist etwas breiter als der Chor. (Bm. Pierre de Montreuil, c1200-1266)

Grabfigur Philipp des Schönen, vor 1327

Li-108 / HMS-29 / BMS-11,75

1793 machten sich die Zerstörungstruppen der französischen Revolution über die Königsgräber der Kirche her. Die Reste von fast 160 Königen, Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen sowie 10 königliche Granden wurden aus ihren wertvollen Särgen und Sarkophagen gerissen und in nahe gelegenen Gruben verscharrt. 1817 ließ der wieder eingesetzte König, Ludwig XVIII., die gemischten Gebeine ausgraben und in zwei unscheinbaren gemauerten Knochenschreinen in einem Seitenraum der Krypta beisetzen. Zum 200. Jahrestag der Hinrichtung Ludwigs XVI. am 21.1.1993 soll alles wieder richtig angeordnet sein.

Lit.:

Heft: Brankovic, Branislav: Die Basilika von Saint-Denis. o.J.

Simson, Otto von: Das Mittelalter II. (= Propyläen-Kunstgeschichte Bd. 6. Frankfurt am Main - Berlin [1972] 1990), Abb. 2,3;

Bandmann, Günter: Mittelalterliche Architektur als Bedeutungsträger. Berlin [1951] 6. Auflage 1979. S. 64;

Gotische Kathedrale und Kunstschätze in Frankreich. Von Hervé Kergall. Eltville 1990. Abb. 15,25,

Pérouse de Montelos, Jean-Marie: Paris – Kunstmetropole und Kulturstadt. Köln 2000, S. 41 ff., 230 ff.

Binding, Günther: Was ist Gotik? Eine Analyse der gotischen Kirchen in Frankreich, England und Deutschland 1140 – 1350. Darmstadt / Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000, S. 133

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  • Uploaded on May 17, 2010
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