Köln, Dom, Nordportalanlage, linkes Portal (Bonifatiusportal)

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Sandro & Cristina on August 13, 2010

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Bye Sandro & Cristina

Wensky on October 3, 2015

Der gotische Dom

Die Vorgeschichte

Die einmalige Silhouette des Doms mit den grandiosen Doppeltürmen gehört zu den bekanntesten Ansichten in der Architektur überhaupt und wird natürlich im Kölner Wirtschafts– und Kulturleben tausendfach variiert. Der Dom allein hat jährlich ungefähr 2 Mio. Besucher.

Diese Türme sind nicht alt, sondern erst 1880 vollendet worden. Aber schon als unfertiger Torso hatte der Dom Bedeutung. Ein Bild aus dem Rheinischen Landesmuseum Bonn des englischen Malers Clarkson Stanfield von 1826 zeigt ihn als bereits vollendet. Zur damaligen Zeit standen im Prinzip nur der Chor und die beiden Turmstümpfe. In diesem Zustand befand sich der Dom von 1560 – 1842.

Auch der Dom hatte Vorgängerbauten, besonders alte sogar, deren Baugeschichte aber noch nicht hinreichend geklärt ist, bzw. strittig ist. Vor Jahren hieß es noch, dass an dieser leicht erhöhten Stelle im Kölner Stadtgebiet in der Nordostecke der ehem. Römerstadt durch Ausgrabungen unter dem Dom 1946 ein römischer Podiumstempel nachgewiesen werden konnte, der um 50, bzw. 80 n. Chr. errichtet worden sein soll. Bei Führungen unter dem Dom wurde man auch immer auf diese angeblich römischen Tempelreste hingewiesen. 1995 hieß es, dass man das nicht mehr behaupten könne, es werde nunmehr nur noch eine frühchristliche Hauskirche angenommen. Das wäre dann die, von der aus dem ausgehenden 4. Jahrhundert ein achteckiges Taufbecken erhalten ist, das zu einer frühchristlichen Bischofskirche mit einem Westchor gehörte, von der man früher glaubte, dass sie den römischen Tempel noch in den Bau am oberen Rand mit einbezog.

Es war kein Zufall, dass die ersten Christen in Köln diese Stelle wählten. Es war in der ausgehenden Antike vor dem Mailänder Edikt 313 allgemein üblich, dass sich die ersten Christengemeinden direkt an der Stadtmauer niederließen. Einerseits war hier der Baugrund billiger, andererseits bestand hier im Falle der Gefahr die beste Fluchtmöglichkeit. In Köln bauten die Christen irgendwann zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert an dieser Stelle ihren ersten Versammlungsraum. Im Osten existierte ein Gebäude mit Fußbodenheizung, vielleicht ein Bischofs– oder Gemeindehaus.

Bei der zitierten Ausgrabung 1946 konnte auch ein kleines fränkisches Oratorium mit den Gräbern einer Fürstin aus der Mitte des 6. Jahrhunderts freigelegt werden. Eine Aufnahme von 1956 zeigt direkt von oben auf den Ausgrabungsbereich im ehem. Westchor des Vorgängerbaus, rechts und links angeschnitten zwei gotisch Pfeiler der heutigen Kirche.

Gegen 500, als in Köln die Franken herrschten, baute man im Osten eine kleine Kapelle und ersetzte diese um 565 durch einen größeren Bau, der sich an den Westchor anschloss. Dieser sog. „Älteste Dom“, auch „Merowingischer Dom“ genannt, dessen Westteil noch aus dem 4. Jahrhundert erhalten war, erfuhr seinen letzten Umbau unter dem Bischof Hildebold, der von 782 – 819 regierte. Man erneuerte den Westchor und fügte ein ringförmiges Atrium hinzu, möglicherweise auch zwei runde Türme, die frei davor standen.

Der „Alte Dom“

Doch schon bald danach wurde diese ehrwürdige Anlage vollständig abgebrochen und durch einen größeren Neubau ersetzt, der wahrscheinlich 870 vollendet war (Weihe am 27. September) und als „Alter Dom“ oder „Hildebold–Dom“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist, weil der Baubeginn möglicherweise noch unter dessen Regentschaft erfolgte. Nach neuesten archäologischen Untersuchungen von 1998 soll die Hauptbauzeit aber unter Erzbischof Gunthar (850 – 863/66) gewesen sein. Dieser Dom war für die damalige Zeit ungewöhnlich vielgestaltig. An das dreischiffige Langhaus schlossen sich im Osten wie im Westen Querhäuser und Chorapsiden an. Westlich vor dem Alten Dom lag ein 100 m langes Atrium, zu beiden Seiten von hohen Pfeilergängen eingefasst. Ein großer Brunnen inmitten des Atriums ist noch erhalten und ist in der Tiefgarage unmittelbar vor den Turmfundamenten des heutigen Domes sichtbar.

Unter Erzbischof Bruno (953 – 65) wurden dem Dom an jeder Längsseite zwei Seitenschiffe hinzugefügt, so dass er seitdem fünfschiffig war. Erzbischof Rainald von Dassel fügte im Osten zwei Türme hinzu. 1164 wurden in diese Kirche die Gebeine der Heiligen Drei Könige gebracht, die Kaiser Friedrich Barbarossa den Mailändern abgenommen und den Kölnern geschenkt hatte (s. Zusatzbemerkung am Ende des Textes).

Für sie fertigten Nikolaus von Verdun und seine Mitarbeiter 1181 – 1230 den größten Goldschrein des Abendlandes an. Dieser Alte Dom ist zwar vergangen, lebt aber als Grundprinzip in seinen Nachfolgebauten in Mainz, Worms, Speyer, Bamberg, Würzburg, Augsburg, Maria Laach und Knechtsteden weiter. Am 26.4.1248 wurde er teilweise Opfer einer Brandes.

Köln zögerte aber nicht lange, denn es brauchte unbedingt einen Dom, um den Reliquienkult am Leben zu erhalten, der die Stadt teilweise ernährte, und zwar gut. Am 15.8.1248 war der Tag der Grundsteinlegung für den gotischen Neubau durch Erzbischof Konrad von Hochstaden. Der erste Dombaumeister hieß Meister Gerhard. Damals wurde der Alte Dom nicht abgerissen, sondern phasenweise ersetzt. Teile dieses Alten Domes wurden noch im 19. Jahrhundert benutzt, bevor die Phase der Domvollendung einsetzte.

Man begann im Osten mit dem Chor, dessen Umgang 1265 gewölbt und 1322 vollendet, geweiht und mit einer Schutzmauer in voller Höhe des Mittelschiffes abgesichert wurde.

Noch vor der Vollendung des Chores hatte man begonnen, die mächtigen Türme zu fundieren und langsam hochzuziehen. Jedenfalls war der Plan zu dem heute stehenden Dom damals schon in dieser Form vorhanden, auch was die Türme angeht.

1322 ist der Chor geweiht worden und wurde im Mittelschiff durch eine Mauer notdürftig geschützt, die erst im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde. Die westlichen Teile des Alten Domes standen damals noch. Ganz im Westen werden aber schon die gotischen Türme begonnen.

Der Zustand von 1388, als die Kölner Universität gegründet wurde, zeigt den Südturm schon über das erste Geschoss hinaus gediehen. Sein Portal, das sog. Petersportal ist das einzige alte der ganzen Westfassade. Alles andere ist 19. Jahrhundert.

Die Arbeiten gingen aber sichtbar langsamer voran und kamen 1560 ganz zum Erliegen. Zwischen dem Südturm und dem Chor wurden die erhalten gebliebenen Teile des Alten Domes verlängert und erweitert, um als Kirchenraum genutzt werden zu können. Bis 1842 wurde außer Notreparaturen nichts am Dom getan. Der Baukran auf dem 2. Geschoss des damals 59 m hohen Südturm–Stumpfes blieb bis 1869 stehen.

309 Jahre lang war er das Wahrzeichen Kölns neben den Türmen von Groß St. Martin und ein Dokument dafür, dass man die Hoffnung auf Vollendung nicht aufgeben wollte. Man sieht den damaligen Zustand des Domes in einem berühmten Stich von Woensam aus dem Jahr 1531.

Im 19. Jahrhundert vollzog sich der Aufstieg Preußens zur führenden deutschen Macht, teilweise kam sogar das erzkatholische Köln zum protestantischen Preußen, heute eine ziemlich makabere Vorstellung. Die Kölner wären wahrscheinlich lieber zu Frankreich gekommen als ausgerechnet zu Preußen. Die ganzen historischen Vorgänge, die hier zusammenlaufen, sind in zahlreichen Varianten Bestandteil des Kölner Anekdotenschatzes geworden. Es ist schon eine paradoxe Geschichte, dass ausgerechnet die katholische Kathedrale im katholischen, heiligen Köln dazu ausersehen wurde, die deutschen Einigungsbestrebungen im 19. Jahrhundert unter Führung des protestantischen Preußens symbolisch zusammenzufassen.

Jedenfalls fand am 4.9.1842 die Grundsteinlegung zum Weiterbau durch Kaiser Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Erzbischof Johannes von Geissel statt. Dem sind einige wichtige Ereignisse vorausgegangen.

1821 erfolgte eine Wiederbelebung des Dombaugedankens durch Sulpiz Boisserée. 1824 war auf einem Darmstädter Dachboden der mittelalterliche Fassaden–Plan des Meister Johannes von 1310/20 gefunden worden*, der auch fast genauso verwirklicht wurde. Er ist aus elf großen Pergamentblättern zusammengesetzt und ungefähr 4,50 m hoch. Damit ist bewiesen, dass man schon im Mittelalter vor der Vollendung des Chores eine solch riesige Fassade wollte, die man mit den damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln wohl kaum hätte realisieren können. Das war also eine kühne, abenteuerliche Vision.

1833 war Ernst Friedrich Zwirner Dombaumeister geworden und entwarf die Pläne zur Vollendung des Domes, u. a. die Fassade der Südseite zusammen mit Friedrich Schinkel, Sulpiz Boisserée und Kg. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Mit dieser Südseite hier begann man auch, sie wurde 1855 vollendet.

Jetzt ging es zügig weiter, denn der Staat stand dahinter. Die Kosten übernahmen neben dem preußischen Staat Privatleute und der 1841 gegründete „Zentrale Dombau–Verein“. 1863 war das Innere vollendet. Die Trennwand zwischen Chor und Langhaus fiel nach 560 Jahren. Eine berühmte Ansicht dazu stammt von Georg Moller–Delin aus dem Jahr 1813, also lange vor Beginn des Weiterbaus.

Und schließlich kam am 15.10.1880 der Tag der Vollendung und am folgenden Tag das Domfest im Beisein Wilhelms I. Am Tag der Einweihung war der obere Teil der Türme noch eingerüstet.

Die zeitgenössischen Darstellungen aber zeigen den Dom am Tag der Einweihung immer ohne die Baugerüste, wie beispielsweise eine Vision von Carl Georg Enslen (1792 – 1866). Das beweist wieder, dass für das Seelische nicht unbedingt die ‚äußere’ Realität entscheidend ist, sondern das ‚Wunschbild’ von der Realität.

Erst im Frühjahr 1881 begann der Abbau der Gerüste, der sich bis 1883 hinzog. Der Kölner Dom war mit seinen über 157 m hohen Westtürmen bis 1889 das höchste Gebäude der Welt, in welchem Jahr der Eiffelturm in Paris zur 100–Jahr–Feier der Französischen Revolution eingeweiht wurde, der den Dom um einiges übertraf, aber sicher nicht an Schönheit.

Einschub:

Die Heiligen Drei Könige, deren Gebeine man im Kölner Dom verehrt, sind strikt gesehen keine Heiligen: ein Heiliger oder eine Heilige muß von der Katholischen Kirche in einem eigenen Verfahren dazu erhoben werden, und ein solches Verfahren hat es für die Heiligen Drei Könige nie gegeben. Auch Könige sind die Herren Kaspar, Balthasar und Melchior nie gewesen – in der Bibel ist nur von »Weisen«, »Magiern« bzw. »Sterndeutern« die Rede. Und auch die Namen selber sind erfunden, sie werden in der Bibel nirgendwo erwähnt; zum ersten Mal ist in einer um 500 nach Christus in armenischer Sprache abgefaßten Kindheitsgeschichte Jesu von den drei Königen Melkon von Persien, Gaspar von Indien und Baltassar von Arabien die Rede, vorher nicht. Der Evangelist Matthäus, der als einziger im Neuen Testament von der Anbetung berichtet, erwähnt mit keiner Silbe, wie die Anbeter heißen, oder wieviele es überhaupt waren. Daß es drei gewesen seien, wurde aus den drei Gaben – Weihrauch, Myrrhe, Gold – nicht ganz wasserdicht zurückgeschlossen (oder man hat auch nur die in der christlichen Mythologie so wichtige Zahl Drei auf die Anbetung im Stall zu Bethlehem übertragen). Zu Königen wurden die Sterndeuter erst in nachträglichen Interpretationen, u.U. wegen einer mißverständlichen Übersetzung von »Magier« (»König« meinte zu Zeiten Jesu etwas ganz anderes als im Mittelalter, nämlich weit weniger; fast jeder Vasall der Römer war damals ein »König«) oder aber aufgrund einer Prophezeiung aus dem Alten Testament, wo es heißt: »Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen ...« Nach Köln kamen die Könige bzw. deren Gebeine im Jahr 1158 auf Veranlassung des Reichskanzlers und Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel; er hatte sie einem Reliquienhändler in Mailand abgekauft, vielleicht sich auch von den Bürgern der Stadt Mailand schenken lassen – die näheren Umstände des Erwerbs sind nicht genau geklärt. Die Mailänder hatten die Reliquien angeblich Ende des 4. Jahrhunderts selbst als ein Geschenk erhalten, und zwar vom Kaiser aus Byzanz, wohin wiederum sie aus Palästina gekommen sein sollen, wo sie die Mutter des Kaisers bei einer Pilgerfahrt gefunden haben will. Aber was tun die Gebeine der Sterndeuter in Palästina? So heißt es etwa in der Bibel, die Weisen seien nach Anbetung in ihre Heimat, wahrscheinlich das Zweistromland Mesopotamien, zurückgekehrt, so daß dort auch ihre Knochen liegen. Und auch die Überführung von Konstantinopel nach Mailand ist nur in einer posthumen Biographie eines Mailänder Bischofs erwähnt, der »Vita Eutorgii«, die mehrere hundert Jahre später ausgerechnet in Köln entstand. Vermutlich hat also Rainald von Dassel als rechte Hand des Deutschen Kaisers diese Legende einfach politisch ausgenützt, um im damaligen Streit zwischen Papst und Kaiser seinem Herrn, dem Kaiser, einen Vorteil zu verschaffen: die Könige, also die weltlichen Herrscher, waren die ersten, die das Christkind anbeteten, und haben deshalb, so die Logik Dassels, Vorrecht vor dem Papst. Daher ist auch klar, warum die Partei des Papstes keine Eile hatte, durch eine Heiligsprechung diese Sicht der Dinge zu befördern.  Lit.: Gerhard Prause: Tratschkes Lexikon für Besserwisser, München 1986 (besonders der Abschnitt »Drei Könige«); Konradin Ferrari d'Occhieppo: Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht, Gießen 1994 (besonders der Abschnitt »Über die Magier« auf den Seiten 133ff.). [Lexikon: Heilige Drei Könige. DB Sonderband: Das digitale Lexikon der populären Irrtümer, S. 650]

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