Zeche Dahlhauser Tiefbau 1/2, Schachtabdeckung des ehem. Schacht 2 (Bochum-Dahlhausen) / 4.07.2010

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Friedrich Scherenberg zu Steele beantragte 1852 das Geviertfeld Dahlhausen beim Königlich Preußischen Oberbergamt zu Dortmund auf Verleihung. Nach zwei Jahren wurde ihm das Feld verliehen. 1857 entstand durch Konsolidation (Vereinigung) mit den Grubenfeldern der Zechen Glückssonne und Besserglück die neue "Zeche Vereinigte Dahlhauser Tiefbau". Der Abbau der Kohle erfolgte anfänglich oberflächennah im Stollenbau.
Aber bereits 1858 begann die Phase des Tiefbaus, als Schacht 1 abgeteuft wurde. Der Einsatz von Dampfmaschinen sollte die Grubenwasserhebung aus großer Tiefe möglich machen. Nach einigen Schwierigkeiten erreichte der Schacht um 1860 das Stollenniveau (34 m Tiefe) und nahm die Förderung auf. In diesem Jahr brachten 50 Bergleute etwa 4200 t Kohle zu Tage. Für den Abtransport der geförderten Kohlen war man zunächst auf die Ruhrschiffahrt angewiesen, ab 1869 konnte das auch mit der Eisenbahn erfolgen, als die Ruhrtalbahn nach Hattingen eröffnet wurde. 1871 teufte man 500 m nördlich von Schacht 1 einen tonnlägigen (schrägen) Wetterschacht ab, der teilweise auch zur Förderung genutzt wurde. 1872 wurde in 97 m Tiefe die 2. Sohle angesetzt und fortan der Schacht 1 tiefer geteuft. Durch den Erwerb weiterer Grubenfelder in der Umgebung konnte die Berechtsame (Bergwerksbesitz) 1874-76 erheblich vergrößert werden.
Zur Verwertung der anfallenden Feinkohle wurde auf der Zeche Dahlhauser Tiefbau 1881 die erste befriedigend arbeitende Brikettfabrik im Ruhrgebiet auf der Basis von Steinkohlenteerpech als Bindemittel in Betrieb genommen. Die qualitativ hochwertigen Briketts fanden schon 1885 ihre Abnehmer im benacharten Ausland bis nach Italien. 1887 wurde bereits die 5. Sohle (311 m) angesetzt und 1890 der Abbau im Südfeld unter Hattinger Gebiet aufge- nommen. Am 9. Dezember 1895 vernichtete ein Brand mehrere Tagesanlagen sowie die hölzernen Einbauten im Schacht 1. Dies hatte eine 6-wöchige Förderunterbechung zur Folge, da auch die Pumpen ausfielen und Teile der Grubenbaue absoffen. Zur Verbesserung der Wetterführung im nordwestli- chen Teil des Grubenfeldes wurde 1897 ein weiterer Luftschacht an der Hattinger Straße abgeteuft.

Nachdem im Jahr zuvor die 7. Sohle in 570 m Tiefe angesetzt wurde, begann man 1910 mit dem Abteufen des Schachtes 2 neben Schacht 1. Dieser spä- tere Hauptförderschacht lag näher zur Ruhr und ging 1912 ab der 6. Sohle in Betrieb. 1914 wurde das Grubenfeld der im selben Jahr stillgelegten Zeche Altendorf Tiefbau übernommen, allerdings zunächst ohne eine Wiederaufnahme des dortigen Abbaubetriebs. Ihre maximale Jahresförderung mit 480.000 t Magerkohle erzielte die Zeche Dahlhauser Tiefbau 1929 bei einer Belegschaft von 1471 Mann. 1934 wurde noch die Berechtsame der stilllie- genden Zeche Verlohrner Sohn hinzu erworben, der Abbau der Kohle erfolgte dennoch überwiegend unter dem Stadtteil Bochum-Linden. Im Jahr darauf erreichte Schacht 2 auf der 8. Sohle die Endteufe von 730 m. Während des Zweiten Weltkrieges wurden etwa 240 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter Tage eingesetzt, die im nahe gelegenen Gefangenenlager "Horkenstein" untergebracht waren.
In den 1950er Jahren wurde nach ca. 40 Jahren doch noch beschlossen, das Grubenfeld Altendorf Tiefbau in die Abbauplanung einzubeziehen. Dazu wurde 1955 eine knapp 2 km lange Richtstrecke dorthin aufgefahren und der Schacht Altendorf 2 von 1958 bis 1960 instandgesetzt, so dass dieser als Erschließungsschacht (Seilfahrt und Bewetterung) für das Feld Altendorf wieder in Betrieb gehen konnte. Gleichzeitig wurden auch die Tagesanlagen an der Lewackerstraße modernisiert. Über Schacht 2 errichtete man 1959 eine neuartige Turmförderanlage als Betonkonstruktion, die von dem bedeuten- den Industriearchitekten Fritz Schupp entworfen wurde. Seit 1961 bestand auf Dahlhauser Tiefbau außerdem eine 8,5 km lange Verbindung auf der 7. Sohle zur Zeche Carl Funke in Essen-Heisingen. 1962 wurde im Feld Altendorf mit den ersten Versuchen des sogenannten hydromechanischen Kohlen- abbaus begonnen, nachdem ähnliches schon einige Jahre zuvor auf der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen erprobt worden war. Das Verfahren der hydromechanischen Gewinnung wurde in der damaligen Sowjetunion entwickelt und ermöglichte den Abbau in steil gelagerten Flözen. Hierbei erfolgte das Lösen der Kohle aus dem Gestein mithilfe von Hochdruckwasserstrahlen (100 bar) und die Förderung über Rohrleitungen.
Im September 1965 jedoch musste die Zeche Dahlhauser Tiefbau, trotz weiterer Ausbaumaßnahmen, als letztes aktives Bergwerk im Bochumer Süden ihre Kohlenförderung einstellen, da sie als reine Hausbrandzeche der Konkurrenz des Heizöls nicht gewachsen war. Schacht 1 war bereits 1963 verfüllt worden. Das Grubenfeld zusammen mit dem Feld Altendorf wurde von der Zeche Carl Funke übernommen und der Schacht 2, nun als "Schacht Carl Fun- ke 6" geführt, diente noch der Seilfahrt und Materialversorgung. Gleiches galt auch für den Schacht Altendorf 2, der fortan die Bezeichnung "Carl Funke 5" trug. Ab 1967 waren beide Schächte Bestandteil des neuen Verbundbergwerks Pörtingssiepen/Carl Funke, das im selben Jahr durch Zusamenschluss der Essener Zechen Carl Funke, Pörtingssiepen und Gottfried Wilhelm gebildet wurde. Für Schacht Carl Funke 6, ehemals Dahlhauser Tiefbau, kam das endgültige Aus im Jahr 1972: Alle Tagesanlagen wurden abgerissen und der Schacht wurde verfüllt.

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Photo details

  • Uploaded on August 27, 2010
  • Attribution-No Derivative Works
    by Iceman93 / NO VIEWS!…
    • Camera: Panasonic DMC-FS6
    • Taken on 2010/07/04 11:52:07
    • Exposure: 0.033s (1/30)
    • Focal Length: 5.50mm
    • F/Stop: f/2.800
    • ISO Speed: ISO250
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