Köln, St. Maria im Kapitol - Holztür, um 1060

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ST. MARIA IM KAPITOL

1030-1065.

Schöpfungsbau der niederrheinischen Architektur.

Erster romanischer Drei-Konchen-Chor (1065 geweiht). Unmittelbare Herkunft ungewiss. Neuartige Verbindung von Lang- und Zentralbau. Pfeilerbasilika mit gratgewölbten Seitenschiffen. Quadratischer Westbau mit Nonnenempore, die sich in dreiteiliger Arkade zum Schiff öffnet.

VORGÄNGERBAU

Auf den Grundmauern des in klassischer Form 50 n. gebauten römischen Kapitols-Tempels (Name!) baute Plektrudis, Gemahlin des fränkischen Hausmeiers Pippins II. von Heristal und Stiefmutter Karl Martells, um 690 (vor 717) die erste Kirche und gründet ein adliges Frauenkonvent.

881 wahrscheinlich beim Normannensturm zerstört.

Zehntes Jahrhundert: Erzbischof Bruno regt den ottonischen Kirchenbau als Benediktinerinnenkloster an (geringe Reste im heutigen Westbau).

SALISCHER BAU

um 1030/40-65: Äbtissin Ida, gest. 1060, formte den heutigen Bau. Sie stammte aus ottonischem Kaiserhaus, war Tochter des Pfalzgrafen Ezzo und seiner Gemahlin Mathilde, einer Tochter Kaiser Otto II., und damit war Ida Enkelin Kaiser Ottos II. und seiner Frau Theophanu. Ihr Bruder war als Hermann II. Erzbischof von Köln 1036-56.

Nach Speyer - und hier sah Ida wohl mit Konkurrenzneid den Bau des neuen salischen Kaiserhauses - ist St. Maria im Kapitol die größte Kirche in Deutschland (und übernimmt von Speyer das Prinzip der Bipolarität). Die Ähnlichkeit der Krypta mit der von Speyer beruht vor allem auf den querschiffartigen, seitlichen Kapellen.

Albert Verbeek weist darauf hin, wie eng die stilistischen Verbindungen zwischen den Architekturformen der Krypta und der Seitenschiffe von St. Maria im Kapitol mit denjenigen des von um 1030-61 errichtet Domes zu Speyer sind. Die Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. sowohl bei der Hochaltarweihe in Stablo 1040 als auch bei der Weihe des Kreuzaltares in St. Maria im Kapitol 1049 unterstreicht mindestens den Rang der beiden jeweiligen Bauunternehmungen.

1049 werden Kreuzaltar und Langhaus von P. Leo IX in Anwesenheit Kaiser Heinrich III. und in Gegenwart von 72 Bischöfen geweiht, 1065 der Trikonchos durch Erzbischof Anno.

Der salische Kirchenbau steht auf einer etwa 5 m hohen Anschüttung über dem römischen Niveau und mehr als zwei Meter über dem Niveau des westlich gelegenen Kreuzganges. Das römische Tempelfundament reicht etwa vom Ansatz des Westbaus bis zu den östlichen Vierungspfeilern. Die östlich anschließende Böschung zum Rheinuferbereich, wo in römischer Zeit eine breite Treppenanlage zum Tempelpodium hinausführte, wurde im 11. Jh. durch die Anlage einer Hallenkrypta mit seitlichen Annexen aufgefangen (L-73, davon entfallen auf das Mittelschiff 34 m).

KRYPTA

Großräumige Hallenkrypta, 11. Jh.; 1952 wiederhergestellt.

BIPOLARITÄT

Im Westen die Dreiturmgruppe (1175), Westbau (Binding: Westbau, kein Westwerk!), Empore wie Aachen (kaiserliche Vorfahren der Äbtissin; ihre Schwester Theophanu baut in Essen ebenfalls ein Westwerk). Dreigeschossige Arkatur nach Oktogongliederung der Aachener Pfalzkapelle, Trennung der Damenempore vom Schiff. Langhaus und quadratische Vierung ursprünglich flach, Seitenschiffe gewölbt, Übergang zum Drei-Konchen-Chor. Gewölbte Umgänge begleiten die drei Apsiden. Während die Langhaus-Arkaden auf kräftigen, breiten Pfeilern ruhten, erhoben sich die Bogenfolgen im Trikonchos über schlanken monolithen Säulen mit Würfelkapitellen. Ob es einen Vierungsturm gab, ist in der Forschung umstritten.

Der Stadtbrand von 1150 und vor allem statische Probleme des Drei-Konchen-Chores über der Hallenkrypta der Böschungszone bedingen 1150 einen Umbau der oberen Zone aller drei Konchen, nach 1200 Neubau der Ostkonche im zweischaligen System und mit Verstärkungsmaßnahmen innen und - als Schauseite nach dem Vorbild staufischer Kirchenbauten in Köln - mit Blendarkaden, Plattenfries und Zwerggalerie außen. Wahrscheinlich war ein östlicher Vierungsturm geplant, der mit der Westgruppe wirkungsvoll kontrastiert hätte, aber auf Grund des unsicheren Bodens wohl unausgeführt blieb. Somit ergab sich eine verstärkende Betonung der Längsrichtung gegenüber dem ursprünglich deutlichen Zentralbau-Charakter des Trikonchos. Folgerichtig.. .

1240: Langhaus bekam ein gotisches Kreuzrippengewölbe in Anlehnung an den seit 1200 vollständig gewölbten Trikonchos. Je zwei Raumabschnitte werden durch ein 6t Zisterziensergewölbe zusammengefasst, was die Erhöhung der Obergadenwände voraussetzt. Auch in der Dachgestaltung ging die ehem. Eigenständigkeit des Vierungsbereiches schrittweise verloren: Die Nord- und Südarme wirkten schließlich nur noch als niedrige, nachgeordnete Annexe des von West nach Ost durchlaufenden, dominierenden Mittelschiff-Daches.

Die in der Tradition der karolingischen Westwerke stehende Dreiturmgruppe im Westen, die die ursprüngliche Bipolarität des Baues deutlich unterstrich und in der Wirkung am ehesten mit der noch heute erhaltenen Turmgestaltung in Brauweiler vergleichbar ist, wurde 1637 und 1780 bis auf die Firsthöhe des Mittelschiff-Daches reduziert. Der westliche Mittelturm ist ganz weggelassen worden.

1466 Hardenrath- (Salvator-) Kapelle im Winkel zwischen Ost- und Südkonche.

1493 Hirtz-Kapelle zwischen Ost- und Nordkonche

1637 Einsturz des westlichen Mittelturms

1767 Lettner nach Westen versetzt.

1802 Aufhebung des Stifts. Die Kirche wird Pfarrkirche.

1866 historistische Ausmalung nach Entwürfen Eduard von Steinles. In den 30er Jahren wurde sie im Zuge der notwendig gewordenen Sicherungsarbeiten entfernt; eine zeitgemäße Neugestaltung hatte 1939 mit den Fensterentwürfen Anton Wendlings begonnen.

Neunzehntes Jh. und A20: mehrere Restaurationen, vor allem im Chorbereich. Mai 1942 / März und Mai 1945 Bombenangriff, schwere Zerstörung Juni 1948 Ostapsis bricht zusammen

1950 das nördliche Seitenschiff wird als Notkirche benutzt

1951 Entschuttung beendet

1952 Krypta wiederhergestellt

1957 Ausgrabungen von Otto Doppelfeld unter dem Langhaus

1975 Außenbau der Chor-Anlage und der spätgotischen Kapellen fertig

24.12.1984 Wiedereröffnung des gesamten Kirchenraumes

HÖLZERNES GABELKRUZIFIX

um 1300-04. Körperlänge 150 cm

HERMANN-JOSEPH-MADONNA (MADONNA MIT KIND)

1150 (mit Apfel)

`ZINT MERGENS REPP´

(Rippe der Hl. Maria) eines Grönlandwals

HOLZTÜREN MIT LEBEN JESU

um 1060. 26 Reliefs. Ursprünglich Portal der Nordkonche. Jugendgeschichte Jesu nach Matthäus - Passion und Auferstehung

Verkündigung an Maria & Heimsuchung Einzug in Jerusalem

Verkündigung an die Hirten / Geburt Christi Blindenheilung Auferweckung des Lazarus / Hl. 3 Kge vor Herodes / Anbetung der Hirten Christus am Ölberg / Außendung der Jünger / Einsetzung Petri / Warnung Josefs / Flucht nach Ägypten / Letztes Abendmahl etc.

Lit.:

Fillitz, Hermann: Das Mittelalter I. (= Propyläen-Kunstgeschichte Bd. 5. Frankfurt am Main - Berlin [1969] 1990), Abb. 118;

GRABMALE DER PLEKTRUDIS

DAS ÄLTERE 1180-90

DAS JÜNGERE 1280

THRONENDE MUTTERGOTTES auf dem Löwen aus dem Giebel der Ostkonche, um 1200

LETTNER

1524 aus Mecheln. Frühestes Renaissance-Denkmal Kölns. 1767 nach Westen versetzt. Jetzt wieder im Osten.

MARIA MIT DEM KIND

Zwölftes Jh.

CHRISTUS ALS SALVATOR MUNDI

1466

MUTTERGOTTES AUS LIMBURG A.D.HARDT

um 1300

Lit.:

Schäfke, Werner: Kölns romanische Kirchen. Köln 1984. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 166, FT-13, 14, 16, Abb. 45-49;

Durliat, Marcel: Romanische Kunst. Freiburg-Basel-Wien 1983, S. 736-738, FT-75;

Kubach, Hans Erich / Verbeek, Albert: Romanische Kirchen an Rhein und Maas -[1970/71]. Neuss 3. Auflage 1978. S. 345, Abb. 8, 52, 53, 68, 243, 330;

Budde, Rainer: Deutsche Romanische Skulptur 1050-1250. München 1979, Abb. 118, 124, 128;

Adam, Ernst: Vorromanik und Romanik. Frankfurt 1968, S. 82;

Rave, Paul Ortwin: Romanische Baukunst am Rhein. Bonn 1922, Abb. 59-61;

Toman, Rolf (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur - Skulptur - Malerei. Köln 1996, S. 52

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