Cimetière de Montmartre 1998

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FRIEDHOF MONTMARTRE

Die großen Friedhöfe, die Cimetières in Paris unterscheiden sich grundsätzlich von den deutschen. Die drei großen Friedhöfe von Montmartre, Montparnasse und Père–Lachaise sind unbedingt einen Besuch wert (1785 wurden als hygienische Alternative zu den Friedhöfen die Katakomben eingerichtet). Hier bestehen die Gräber nicht aus kleinen Gartenanlagen wie in Deutschland, sondern sind steinerne Denkmäler, die beachtliche Ausmaße annehmen können. Die großen Friedhöfe haben tatsächlich fast Stadtcharakter mit Wegkreuzungen, die regelmäßig von dichten Baumreihen begleitet sind. Der Cimetière de Montmartre besteht seit dem beginnenden 19. Jahrhundert, ist also ca. 200 Jahre alt.

Und hier merkt man auch, wie fast überall in Paris und generell in Frankreich, welche Bedeutung das Formengut der klassischen Antike in der gesamten französischen Kultur hat. Das merkt man in der Architektur, in der Plastik, bei den Möbeln bis hin zum Kerzenständer – und hier eben bei den Gräbern. Die sehen zum großen Teil aus wie kleine griechische Tempel.

Dazwischen gibt es aber auch ägyptische Obelisken oder Beispiele von Phantasie–Architektur. Sehr beliebt sind auch leicht heroisch wirkende Gräber bestehend aus einem beschrifteten Steinblock und einer bronzenen Liegefigur darauf, die den Toten in wahrscheinlich idealisierter Gestalt darstellt.

Hier liegen viele bedeutende Künstler: Hector Berlioz, Jacques Offenbach, der russische Tänzer Nijinsky und der Filmemacher François Truffault. Nicht klassisch, sondern diesmal eher wild–romantisch ist das Grab von Emile Zola gestaltet. Er hatte sich zu Lebzeiten als Kunstkritiker sehr für die Impressionisten engagiert, er war 1898 in der Dreyfus–Affäre vehement für den zu Unrecht verurteilten Angeklagten eingetreten und er gilt als der Hauptvertreter des französischen literarischen Naturalismus. Und deshalb hat man für ihn natürlich keine klassizistische Grabanlage geschaffen, sondern eine romantisch–naturalistische.

Und hier liegt der deutsche Dichter Heinrich Heine, der aus gutem Grund viele Jahre seines Lebens in Frankreich zubrachte. Sein Grab ist nicht sonderlich interessant, auch in keiner Weise dem Verblichenen entsprechend, – jedenfalls kann man hier nichts von der Heineschen Ironie wieder finden –, auch der deutsche Grabspruch passt nicht ganz hierhin. Denn keine von Heines zu Lebzeiten geäußerten Befürchtungen bezüglich seiner letzten Ruhestätte hatten sich bewahrheitet: Weder in einer Wüste noch an irgendeinem fremden Meeresstrand wurde er beerdigt, sondern im sicheren und vertrauten Boden von Paris.

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Photo taken in Montmartre Cemetery, 20 Rachel Avenue, 75018 Paris, France

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  • Uploaded on October 6, 2011
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    by Wensky

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