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Fontenay, Zisterzienser-Abtei, 1990 - Dormitorium, Holzgewölbe

FONTENAY

1139-47

Dreischiffiges Langhaus; zwei südliche Querhäuser; Chor mit geradem Abschluss

Die älteste noch bestehende Zisterzienserkirche (weiße Gewänder).

1075 verließ der Benediktinerabt Robert sein Kloster Saint-Michèle-de-Tonnère und zog mit sieben weiteren Mönchen in den Wald von Molesme und später, als der Ruf der Heiligkeit auch in dieser Einsamkeit Menschen anzuziehen begann, mit 23 Mönchen weiter in die Sümpfe von Citeaux. 1098 vollzog der nunmehr Robert von Molesme genannte Abt die Gründung dieses bedeutenden Klosters, von dem der Zisterzienserorden seinen Namen erhielt. Dieses Kloster war Ausgang für die größte Möchsbewegung des 12. Jhs. überhaupt, die sich nach dem armen, strengen Leben der früheren Mönche sehnte und die die alten Regeln des hl. Benedikt befolgen wollte. Der Name „Citeaux“ leitet sich von „cistels“ = Schilfrohr her, das in der Ebene des Gründungsbaues wuchs.

„Das entscheidende Ereignis in der Geschichte des Ordens war der Zug Bernhards von Fontaines (1091-1153) mit 30 Adligen, darunter vier seiner Brüder, 1112 nach Citeaux [...] Auch der eigene Vater mit seinem jüngsten Sohn sollte ihm 1120 nachfolgen. Drei Jahre später konnte Bernhard mit 12 Brüdern Clairvaux gründen“ (Braunfels).

Ab 1112-14 setzt unter dem später so genannten Bernhard von Clairvaux, der sich auch heftig gegen den skulpturalen Schmuck, vor allem an den Kapitellen in Kirchen und Kreuzgängen wandte, die Reform voll ein.

Ihre Einsamkeit schufen sich die Zisterzienser durch rücksichtlosen Aufkauf von bäuerlichem und adligem Grundbesitz und bewirtschafteten ihre Granien genannten, landwirtschaftlichen Großbetriebe über Laienbrüder, die von den Mönchen getrennt und von geistiger und geistlicher Tätigkeit ausgeschlossen, besitzlose Handarbeiter blieben. Erst die Ritterorden eröffneten der Masse des Volkes den Zugang zum klösterlichen Leben.

Die ersten Bauten der Zisterzienser waren aus Holz errichtet. Erst in der zweiten Ordensgeneration unter Bernhard entstanden Steinbauten.

1113/14 erfolgen die beiden ersten Tochtergründungen von Cîteaux: La Ferté-sur-Grosne (1113) und Pontigny (1114), 1115 noch Marimond und als Musterbeispiel für ein strenges mönchisches Leben die Abtei Clairvaux und bald darauf als deren Tochtergründung nach demselben Plan Fontenay (29.10.1118). Diese fünf Niederlassungen sind die Mutterklöster, von denen aus Filiationen in ganz Europa errichtet wurden.

Die „weißen Mönche“ haben in dieser Zeit alle Einsamkeiten Europas von Irland bis an die Grenzen des russischen Reiches nach Pflanzstätten für neue Klöster abgesucht. 69 Klöster waren es beim Tode Bernhards und 742 am Ausgang des Mittelalters, wozu noch die 761 Frauenklöster kamen, welche lokalisiert werden konnten. Von den Männerniederlassungen waren 525 im 12. Jh. entstanden und 169 im 13. Jh. Dann ebbte die Bewegung ab.

Durch die in Burgund abgehaltenen Generalkapitel und die strengen, auch für Kirchen- und Klosterbauten sowie ihre Ausstattung aufgestellten Regeln erklärt sich die enge Verwandtschaft aller Zisterzienserklöster in ganz Europa. Außerdem wurden im Mutterland Bauhütten ausgebildet, die zu den Neugründungen zogen und dort die Bauten mit einheimischen Kräften errichteten. Darin liegt die große architekturgeschichtliche Bedeutung des Zisterzienserordens für das ganze Abendland: Durch ihn wurden burgundisch-zisterziensische Bauformen, Mauer- und Gewölbetechnik bis in die entlegendsten Randgebiete verbreitet.

Die einzige noch vollständig erhaltene burgundische Zisterzienseranlage, die den strengen, frühen, den „bernhardischen“ Typ vertritt, ist Fontenay. 1119 sandte der hl. Bernhard eine Gruppe der weißen Mönche nach Fontenay. Es handelte sich praktisch um eine Familiengründung. Den Grund und Boden hatten Verwandte gestiftet, der erste Abt war ein Vetter des Heiligen. Die Kirche wurde ab 1139 gebaut auf Kosten des Bischofs Evard von Norwich, der sich nach Fontenay zurückgezogen hatte (daher die Erzählung, Fontenay sei „von englischem Geld erbaut“).

Im 14. Jh. lebten 300 Mönche und Laienbrüder in Fontenay, das Besitztümer oder Einkünfte in 120 Städten und Dörfern hatte. Die meisten Mönche wohnten nicht direkt im Kloster, sondern in Scheunen, Prioreien und Gehöften in der Umgebung.

Die ursprünglich vorhandene Vorhalle (vergl. Pontigny; wird angezweifelt!) besteht nicht mehr. Die achtjochige Kirche ist 66 Meter lang. 7 Rundbogenfenster - die symbolische Zahl der christlichen Tradition - durchbrechen die Fassade. Die Basen der Pfeilervorlagen in den Seitenschiffen zeigen im Wechsel zwei unterschiedliche Profile. Man ist versucht zu glauben, an diesem Ort, der dem Blick leicht entgeht, hätten die Steinmetzen eine die Herbheit des übrigen Baues mildernde Dekoration gewagt.

ARCHITEKTUR

Das Mittelschiff von Fontenay wird von der burgundischen Spitztonne auf Quergurten überwölbt, die bis zum Choransatz reicht. Nach einer bereits im Untergeschoß des Narthex von Tournus gebrauchten Technik wird die Mittelschiff-Tonne durch eine Folge von seitlichen quer gestellten Spitztonnen abgestützt. Der rechteckige Chor hat eine niedrigere Spitztonne. Die Bedeutung der Zisterzienser liegt außer im religiösen und kolonisatorischen Bereich seit dem ausgehenden 12. Jh. auch in der Verbreitung gotischer Bauformen, die in Fontenay gewissermaßen schon vorbereitet waren.

„Wir kennen noch nicht alle von den Zisterziensern benutzen geometrischen Regeln. aber die Anwendung solcher Regeln in ihren Kirchen ist aufs deutlichste spürbar. Augustins ‚vollkommenes Verhältnis’ 1:2 bestimmt im allgemeinen den Aufriss. In der Abtei von Fontenay (1130-47), dem besterhaltenen Beispiel der frühen Zisterzienserarchitektur - das vielleicht von Bernhard selbst entworfen wurde -, ist auch der Grundriss vom Oktavenverhältnis bestimmt.“ (Simson, S. 75)

Lit.:

BF(Nord)404;

Bußmann, Klaus: Burgund. Köln [1977] 2. Auflage 1978. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 180, Abb. 123-125;

Durliat, Marcel: Romanische Kunst. Freiburg-Basel-Wien 1983. FT-18, Abb. 813-817, S. 538;

Adam, Ernst: Vorromanik und Romanik. Frankfurt 1968. S. 155;

Simson, Otto von: Die gotische Kathedrale. Darmstadt / Wissenschaftliche Buchgesellschaft [1956] 3. Auflage 1979, S. 75 ff;

Bazin, Jean-François: Liebenswertes Burgund. 1987 (Umschlagrückseite), S. 35ff;

Minne-Sève, Viviane: Romanische Kathedralen und Kunstschätze in Frankreich. Eltville 1991, S. 43,

Hennig, Christoph: Latium. Das Land um Rom. Köln 1989, S. 290 ff.

Unter dem Himmel von Frankreich. Luftbilder einer einzigartigen Kulturlandschaft. Fotografien von Daniel Philippe. Text und Textauswahl von Claire Julliard (1991). Köln 1992, S. 223

Toman, Rolf (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur - Skulptur - Malerei. Köln 1996, S. 134

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    by Wensky