Périgueux, Kathedrale St-Front 1993

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Wensky on October 19, 2011

KATHEDRALE ST-FRONT

Nach 1120-1150.

Das Planschema von Périgueux geht auf die ehemalige Apostelkirche in Konstantinopel zurück, welche Justinian als kaiserliches Mausoleum hatte erbauen lassen. Die Apostelkirche war auch das Vorbild des 1063 begonnenen Neubaus der Markuskirche in Venedig.

Ob Périgueux unmittelbar von Byzanz oder erst durch Venedig angeregt wurde, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Während S. Marco zur Baukunst des Ostens gehört, ist Périgueux ein Zeugnis westlicher Architektur.

Adam: „In Aquitanien jedoch tritt die Kuppel plötzlich nach M11 auf, unvermittelt in einer Landschaft, die keine engeren Bindungen an Venedig oder an Byzanz hatte.“ (S. 132)

Nach St. Maria im Kapitol und dem Trierer Dom ist Périgueux das dritte Beispiel romanischer Vorwegnahme von Ideen der Renaissance.

Herder: „In der Tat besteht die [...] Kathedrale aus zwei Teilen, die miteinander verbunden sind, aber nicht auf derselben Achse liegen: einer teilweise ruinösen, 1047 geweihten Basilika, über der sich ein bemerkenswerter Glockenturm erhebt, und der über dem Grundriß eines griechischen Kreuzes erbauten Kuppelkirche.

Leider hat der Architekt Abadie unter dem Vorwand, man müsse die Kirche restaurieren, um sie zu retten, sie mit Ausnahme eines Teils der südlichen Apsis vollständig rekonstruiert.“ (S. 485/486)

Kuppeln mit kalter Perfektion gequadert.

Grundriss in der Form des griechischen Kreuzes. Die belichteten Kuppelräume werden von breiten quadratischen Pfeilern getragen, die unten in 4 schmale Stützen aufgelöst sind, um sich erst in der Höhe zusammenzuschließen (Vorbild: S. Marco, Venedig). Unbyzantinisch ist dagegen die Längsreihung zur einschiffigen Anlage. Die Kuppeln wirken lastend gegenüber den über einem Lichtkranz sich wölbenden Kuppeln des Ostens. Wohl zum ersten Mal trat dieser Typus in Moissac auf (1063 geweiht, die Kuppeln aber später wieder eingestürzt), voll ausgebildet war er dann in der Kathedrale von Angoulême.

Die stark restaurierte Kathedrale St-Front in Périgueux hängt in Grundriss und Aufriss direkt von Byzanz ab. Sie wurde zwischen 1120 und 1150 errichtet und vertritt denselben Typus wie S. Marco in Venedig. Hohe, schlanke Durchgänge und Emporenräume höhlen die Pfeiler aus und lassen sie leicht erscheinen.

Auffallend ist das Fehlen von Schmuck und von Gliederungsformen an Wänden und Gewölben.

1575 plünderten und verwüsteten die Protestanten St-Front. Als 1581 die Katholiken wieder die Kirche in Besitz nahmen, schütze man sie durch gewaltige Dächer. Abadie entfernte diese wieder und legte die 5 Kuppeln frei. Um die Silhouette malerisch zu beleben, setzte er ihnen wie auch den 12 Stützpfeilern Türmchen auf.

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