Bardolino, San Zeno (1982)

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Wensky on December 7, 2011

SAN ZENO

Die Kirche - oder ein Vorgängerbau - wurde um 807 errichtet. Sie ist ein seltenes und eines der ältesten Beispiele karolingischer Baukunst in Norditalien und in ihrer ursprünglichen Form nahezu vollständig erhalten. Die Kirche wurde bereits im 13. Jh. aufgegeben.

Das Bauwerk besteht aus einem steilen Raum über einem lateinischen Kreuz mit Tonnengewölben in Haupt- und Querschiff. Wesentlich höher setzt das Kreuzgratgewölbe bei der Vierung an, so dass man von einem Vierungsturm sprechen kann, der aber außen als solcher nicht in Erscheinung tritt. Nur das Hauptschiff ist durch eine Säulenstellung ausgezeichnet. Die hohen Säulen tragen Bögen, über denen die Wand aufgemauert ist, so dass sich eine zweischalige Wandstruktur ergibt.

Die Kapitelle sind größtenteils recht grobe karolingische Arbeiten nach antiken korinthischen und ionischen Vorbildern (nur das letzte Kapitell an der rechten Seite ist das Fragment eines antiken Originals). In den beiden Querschiffen befindet sich jeweils an der Ostwand eine Nische mit Fresken („Muttergottes mit Kind und hl. Petrus“), auch Reste von Vorzeichnungen sind in der Kirche erhalten.

Als der Frankenkönig Karl, später der Große genannt, das langobardische Reich niedergeworfen hatte, setzte er seinen Sohn Pippin als König von Italien ein und ließ ihn in Verona residieren. Mit ihm kamen die der päpstlichen katholischen Kirche besonders verpflichteten Mönchsorden, die vorher unter den papstfeindlichen Langobarden wenig Chancen hatte, zu Macht und Einfluss. Vor den Toren Veronas entstand die riesige Benediktinerabtei S. Zeno, einst eine befestigte Klosterstadt, Lieblingsaufenthalt der deutschen Könige während ihrer Romzüge zur Kaiserkrönung; dieser Abtei übertrugen König Pippin und der Veroneser Bischof Ratoldo in einer Urkunde des Jahres 807 zahlreiche Bistümer, zu denen auch die namensgleich Kirche in Bardolino gehörte. Deutlich ist ein Streben nach antiker Monumentalität erkennbar: nichts ist zu spüren vom Charakter der nur wenige Jahrzehnte vorher entstandenen dunklen Intimität der langobardischen Krypta oder der Atmosphäre der gedrungenen, breit gelagerten lombardischen Kirche. Dieses Bauwerk demonstriert eine konservative Wende in der Kunstpolitik, die unter dem Namen „karolingische Renaissance“ in die Geschichte eingegangen ist. Das ganze kunstpolitisch-ideologische Programm der die Nachfolge des römischen Imperiums beanspruchenden Frankenkönige zeigt sich in den Kapitellen jener das Langhaus flankierenden sechs gewaltigen Säulen, die eigentlich funktionslos sind. Sie tragen hauptsächlich die Kapitelle, die - weit entfernt von antiker Perfektion - den Versuch einer Nachbildung antiker Formen darstellen. Wie sollte denn auch die in den Jahren der Völkerwanderung stilistisch völlig umorientierte Steinmetzkunst Oberitaliens plötzlich wieder vollendete Werke der Antike hervorbringen, nur weil der Frankenkönig Karl der Meinung war, sein römisches Kaisertum unter anderem mit einer propagandistisch gemeinten Neuauflage der Kunst des untergegangenen Roms zu legitimieren.

Lit.:

Zimmermanns, Klaus: Das Veneto. Verona - Vicenza - Padua. Kunst, Kultur und Landschaft Venetiens. Köln 1990. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 114;

Pippke, Walter / Ida Pallhuber: Gardasee, Verona, Trentino. Köln [1986] 41989. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 39, Abb. 10;

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