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Benrath / Barock–Schloss

Einer kurfürstlichen Laune – so behaupteten seinerzeit böse Zungen – sei es zu verdanken, dass im Düsseldorfer Süden ein barockes Bauwerk von europäischem Rang die Besucher in seinen Bann zieht. 1755 entschloss sich der aus der Pfalz–Sulzbacher Linie stammende Kurfürst Carl Theodor, das Lust– und Gartenschloss Benrath bauen zu lassen. Obwohl er in Mannheim und Schwetzingen residierte, beauftragte er seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage, der in Paris ausgebildet wurde, mit dem Neubau. Nach 14jähriger Bauzeit erstrahlte schließlich das Lustschloss auf einer Grundfläche von 42 mal 27 Metern in der Farbe von Pfirsichblüten. 1771 waren die Arbeiten am Innen– und Außenbau abgeschlossen.

Hier hat später die Landesregierung schon vor Jahrzehnten eine Außenstelle für repräsentative Staatsempfänge unterhält, u. a. vor einigen Jahren für Michail Gorbatschow und in den frühen 60er Jahren für Königin Elisabeth II. von England und noch früher für Soraya von Persien.

Das Benrather Schloss ist ein Spätbarockschloss. Vor dem Schloss liegt ein runder Weiher mit Insel und reichem Entenbestand, hinter dem Schloss ein langer Weiher und ein großer, künstlich gestalteter Park, der bis zum Rhein reicht und zu den schönsten Parkanlagen des Landes gehört. Die gesamte Anlage ist von einem Wassergraben umzogen.

Hier gab es schon einen Vorgängerbau von ca. 1650. Die ganze Anlage war damals schon anmutig in die Landschaft eingebettet. Sie war als Sommerschloss gedacht, da das Düsseldorfer Schloss nicht genügend freie Umgebung bot, um eine große Gartenanlage mit Tiergehegen anzulegen.

1755 – 73 wurde dann der neue Hauptbau des Benrather Schlosses errichtet. Es sollte dem Kurfürst als Jagdschloss dienen und sieht mit seiner Umgebung heute noch genauso aus wie im 18. Jahrhundert.

Das Zentrum der ganzen dreiflügeligen Anlage mit den beiden seitlichen Anbauten ist der Kuppelsaal, auf den nicht nur die Gartenachsen zulaufen, wie man durch das Mittelfenster ahnen kann, sondern auch die Straßen, die in dem damals unbebauten Gelände auch angelegt wurden und die teilweise heute noch in der damals vorgegebenen Richtung verlaufen.

Freskenmalerei in der Kuppel

Als Mittelpunkt des Schlosses glänzt der Kuppelsaal mit einem außergewöhnlichen Marmorboden, der mit Rosetten reichverzierten Kuppel und Freskenmalerei in der zweiten Kuppel. Die Konstruktion der Kuppel ist so gehalten, dass sie durch alle Geschosse reicht und mit einer Laterne, dem Belvedere, über das Dach hinausragt.

Die Fortsetzung der Architektur mit der Gartenbaukunst wird im Kuppelsaal deutlich. Wenn der Blick aus der hohen mittleren Fenstertür über die mit Göttergestalten besetzte Terrasse schweift, so scheint der fast 700 Meter lange, durch den Spiegelweiher bestimmte Gartenraum dem großen, runden Festsaal angemessen. Die seitlichen Fenster geben die Sicht zur Hauptallee des Waldparks auf der einen und die ihr entsprechende Allee auf der anderen Seite frei. Die im Kuppelsaal den Fenstern gegenüberliegenden Spiegel reflektieren Achsen und Parkanlagen.

Aus dem Kuppelsaal führen die Wege in die Gartensäle, die vor allem durch außergewöhnliche Deckengemälde und Parkettböden mit Intarsien beeindrucken. Marmorstuck, Gemälde, Blattgoldverzierungen an großen Spiegeln und Putten schmücken das Jagdschloss, dessen Schutzpatronin, die Jagdgöttin Diana, auf dem Dach verewigt ist.

In der scheinbar eingeschossigen Fassade zeigt sich eine Art „Understatement“ des fürstlichen Bauherrn. Denn hinter den Fassaden verbirgt sich in vier Geschossen ein raffiniert durchkomponiertes System von 80 Räumen, zwei Lichthöfen und sieben Treppenhäusern. Dieser liebenswürdige Betrug war ein Überraschungseffekt, wie er in der barocken Bau– und Gartenkunst schon vorher beliebt war. Die Besucher sollten erst im Innern merken, wie geräumig das Schloss ist.

Nur kurze Zeit dauerte es noch, bis die Wasserspiele, die Weiher und Parkanlagen vollendet waren, die in engem Zusammenhang mit dem Bau stehen. Denn Gebäude und Park bilden eine Einheit. Die runden und eckigen Formen der Grünanlagen setzen sich im Schloss fort. Das Schloss mit seinen beiden Flügeln und Torwächterhäusern ist symmetrisch. Ebenso wurden die Lebensbereiche von Kurfürst und Kurfürstin spiegelbildlich gebaut. Jeder hatte seinen eigenen Wohntrakt: die Dame im Osten mit Blick auf den französischen Garten. Die Kammern mit behaglichem Komfort, Schlafräume und Dienstbotenstuben gruppieren sich um zwei versteckte Innenhöfe, die von außen gar nicht sichtbar sind.

Hauskapelle im Obergeschoss:

Im Obergeschoss wurde die kurfürstliche Hauskapelle eingerichtet. Ebenso sind dort Apartments für die Begleitung des Fürstenpaares sowie zwei Gesellschaftsräume untergebracht. Auch hier begeistern Parkettböden, Marmorkamine, farbig gefasste Vertäfelungen, geschnitzte Spiegelrahmen und bunte fröhliche Chintz–Wandbespannungen, die im Rahmen von Restaurierungsmaßnahmen in den 70er Jahren erneut wurden.

Die Arbeiten am Innen– und Außenausbau waren 1771 abgeschlossen. Bis auf kleine unwesentliche Veränderungen im Garten ist Schloss Benrath noch unverändert. Kurfürst Carl Theodor und Kurfürstin Elisabeth Auguste haben die Vorzüge des behaglichen Schlosses allerdings kaum genossen. Nur jeweils einmal besuchten sie das Lustschloss. Dafür reisten viele Künstler und Schriftsteller nach Benrath. Theodor Fontane und Thomas Mann beispielsweise ließen sich von dem kurfürstlichen Kleinod für ihre Werke inspirieren.

Die innere Struktur des Schlosses ist außerordentlich effektvoll und auf eine reiche Hofhaltung eingestellt. In den dicken Innenmauern verläuft ein ausgeklügeltes Gangsystem für die Dienstboten mit eigenen Treppenhäusern, so dass der Fürst mit seinen Gästen möglichst wenig durch das Personal gestört wurde.

Das Obergeschoss hat ovale stehende Fenster, aus denen von den privateren Räumen des Fürstenpaares aus sich ebenfalls angenehme Ausblicke in die künstlich geordnete Landschaft ergeben. Innerhalb einer Schlossführung wurde allerdings vor Jahren erzählt, dass C.T. – also Kurfürst K(C)arl Theodor (CT), so wurde er auch genannt – nur äußerst selten hier weilte – genau überliefert ist überhaupt nur ein einziger Aufenthalt, da er später nach München übersiedeln musste. Und auch die Ehe des fürstlichen Paares soll nicht dem Charakter des Schlosses entsprochen haben.

Die Seitenteile des Hauptbaues sind in einen männlichen und einen weiblichen Teil aufgegliedert. Zu den interessantesten Räumen des Schlosses gehören die Badezimmer, das des Kurfürsten war sinnigerweise mit Eichenblättern als Hinweis auf männliche Kraft dekoriert ist.

Diese Badezimmer gehen auf den kleinen Innenhof des Schlosses und können von den offiziellen Räumen aus nicht eingesehen werden. Beide Zimmer sind schwelgerisch mit Stuckdekorationen ausgestattet, das der Kurfürstin mit einem Badetuchhimmel. Zur Badezeremonie selber musste eine Wanne durch die Türen transportiert werden, welche demnach nicht besonders umfangreich gewesen sein konnte.

Die zentralen Seitenfenster des Hauptbaues blicken auf kleinere Gartenanlagen, die ebenfalls zentral auf das Schloss hin angelegt wurden. Im Osten lagen die Privaträume des Kurfürsten, natürlich da, wo in der Kirche der Altar steht, – im Westen die der Kurfürstin Elisabeth Auguste. Die westliche Seite war in der mittelalterlichen Architektur immer die negativere.

Der Fürst blickte auf einen wohlgeordneten französischen Garten. Die Fürstin blickte ursprünglich ebenfalls auf einen französischen Garten, der aber später zu einem wilderen englischen Garten umgestaltet wurde, der heute mit seinen Fischen und Enten wesentlich interessanter ist.

Auf der Rückseite des Schlosses geht der Blick auf diesen langen Weiher in Richtung Rhein. Seit 1928 ist das Schloss Benrath Eigentum der Stadt Düsseldorf. Bereits ein Jahr zuvor wurde hier 1927 ein Gymnasium eingerichtet, nach anderen Angaben sogar bereits 1912, das aber 1980 in einen Neubau umgezogen ist. Dieser Neubau nennt sich skurrilerweise dennoch immer noch Schloßgymnasium.

Seit dem Jahr 2002 ist hier ein Museum für europäische Gartenbaukunst untergebracht. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen ist das gesamte Schloss hervorragend restauriert worden.

Der Lageplan beweist, dass es sich tatsächlich um eine künstlich angelegte oder künstlich veränderte Gartenanlage handelt, die im Hauptgebäude des Schlosses seinen absoluten Mittelpunkt fand entsprechend der Herrschaftsauffassung des barocken Fürstentums.

Benrath / Barock–Schloss

Einer kurfürstlichen Laune – so behaupteten seinerzeit böse Zungen – sei es zu verdanken, dass im Düsseldorfer Süden ein barockes Bauwerk von europäischem Rang die Besucher in seinen Bann zieht. 1755 entschloss sich der aus der Pfalz–Sulzbacher Linie stammende Kurfürst Carl Theodor, das Lust– und Gartenschloss Benrath bauen zu lassen. Obwohl er in Mannheim und Schwetzingen residierte, beauftragte er seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage, der in Paris ausgebildet wurde, mit dem Neubau. Nach 14jähriger Bauzeit erstrahlte schließlich das Lustschloss auf einer Grundfläche von 42 mal 27 Metern in der Farbe von Pfirsichblüten. 1771 waren die Arbeiten am Innen– und Außenbau abgeschlossen.

Hier hat später die Landesregierung schon vor Jahrzehnten eine Außenstelle für repräsentative Staatsempfänge unterhält, u. a. vor einigen Jahren für Michail Gorbatschow und in den frühen 60er Jahren für Königin Elisabeth II. von England und noch früher für Soraya von Persien.

Das Benrather Schloss ist ein Spätbarockschloss. Vor dem Schloss liegt ein runder Weiher mit Insel und reichem Entenbestand, hinter dem Schloss ein langer Weiher und ein großer, künstlich gestalteter Park, der bis zum Rhein reicht und zu den schönsten Parkanlagen des Landes gehört. Die gesamte Anlage ist von einem Wassergraben umzogen.

Hier gab es schon einen Vorgängerbau von ca. 1650. Die ganze Anlage war damals schon anmutig in die Landschaft eingebettet. Sie war als Sommerschloss gedacht, da das Düsseldorfer Schloss nicht genügend freie Umgebung bot, um eine große Gartenanlage mit Tiergehegen anzulegen.

1755 – 73 wurde dann der neue Hauptbau des Benrather Schlosses errichtet. Es sollte dem Kurfürst als Jagdschloss dienen und sieht mit seiner Umgebung heute noch genauso aus wie im 18. Jahrhundert.

Das Zentrum der ganzen dreiflügeligen Anlage mit den beiden seitlichen Anbauten ist der Kuppelsaal, auf den nicht nur die Gartenachsen zulaufen, wie man durch das Mittelfenster ahnen kann, sondern auch die Straßen, die in dem damals unbebauten Gelände auch angelegt wurden und die teilweise heute noch in der damals vorgegebenen Richtung verlaufen.

Freskenmalerei in der Kuppel

Als Mittelpunkt des Schlosses glänzt der Kuppelsaal mit einem außergewöhnlichen Marmorboden, der mit Rosetten reichverzierten Kuppel und Freskenmalerei in der zweiten Kuppel. Die Konstruktion der Kuppel ist so gehalten, dass sie durch alle Geschosse reicht und mit einer Laterne, dem Belvedere, über das Dach hinausragt.

Die Fortsetzung der Architektur mit der Gartenbaukunst wird im Kuppelsaal deutlich. Wenn der Blick aus der hohen mittleren Fenstertür über die mit Göttergestalten besetzte Terrasse schweift, so scheint der fast 700 Meter lange, durch den Spiegelweiher bestimmte Gartenraum dem großen, runden Festsaal angemessen. Die seitlichen Fenster geben die Sicht zur Hauptallee des Waldparks auf der einen und die ihr entsprechende Allee auf der anderen Seite frei. Die im Kuppelsaal den Fenstern gegenüberliegenden Spiegel reflektieren Achsen und Parkanlagen.

Aus dem Kuppelsaal führen die Wege in die Gartensäle, die vor allem durch außergewöhnliche Deckengemälde und Parkettböden mit Intarsien beeindrucken. Marmorstuck, Gemälde, Blattgoldverzierungen an großen Spiegeln und Putten schmücken das Jagdschloss, dessen Schutzpatronin, die Jagdgöttin Diana, auf dem Dach verewigt ist.

In der scheinbar eingeschossigen Fassade zeigt sich eine Art „Understatement“ des fürstlichen Bauherrn. Denn hinter den Fassaden verbirgt sich in vier Geschossen ein raffiniert durchkomponiertes System von 80 Räumen, zwei Lichthöfen und sieben Treppenhäusern. Dieser liebenswürdige Betrug war ein Überraschungseffekt, wie er in der barocken Bau– und Gartenkunst schon vorher beliebt war. Die Besucher sollten erst im Innern merken, wie geräumig das Schloss ist.

Nur kurze Zeit dauerte es noch, bis die Wasserspiele, die Weiher und Parkanlagen vollendet waren, die in engem Zusammenhang mit dem Bau stehen. Denn Gebäude und Park bilden eine Einheit. Die runden und eckigen Formen der Grünanlagen setzen sich im Schloss fort. Das Schloss mit seinen beiden Flügeln und Torwächterhäusern ist symmetrisch. Ebenso wurden die Lebensbereiche von Kurfürst und Kurfürstin spiegelbildlich gebaut. Jeder hatte seinen eigenen Wohntrakt: die Dame im Osten mit Blick auf den französischen Garten. Die Kammern mit behaglichem Komfort, Schlafräume und Dienstbotenstuben gruppieren sich um zwei versteckte Innenhöfe, die von außen gar nicht sichtbar sind.

Hauskapelle im Obergeschoss:

Im Obergeschoss wurde die kurfürstliche Hauskapelle eingerichtet. Ebenso sind dort Apartments für die Begleitung des Fürstenpaares sowie zwei Gesellschaftsräume untergebracht. Auch hier begeistern Parkettböden, Marmorkamine, farbig gefasste Vertäfelungen, geschnitzte Spiegelrahmen und bunte fröhliche Chintz–Wandbespannungen, die im Rahmen von Restaurierungsmaßnahmen in den 70er Jahren erneut wurden.

Die Arbeiten am Innen– und Außenausbau waren 1771 abgeschlossen. Bis auf kleine unwesentliche Veränderungen im Garten ist Schloss Benrath noch unverändert. Kurfürst Carl Theodor und Kurfürstin Elisabeth Auguste haben die Vorzüge des behaglichen Schlosses allerdings kaum genossen. Nur jeweils einmal besuchten sie das Lustschloss. Dafür reisten viele Künstler und Schriftsteller nach Benrath. Theodor Fontane und Thomas Mann beispielsweise ließen sich von dem kurfürstlichen Kleinod für ihre Werke inspirieren.

Die innere Struktur des Schlosses ist außerordentlich effektvoll und auf eine reiche Hofhaltung eingestellt. In den dicken Innenmauern verläuft ein ausgeklügeltes Gangsystem für die Dienstboten mit eigenen Treppenhäusern, so dass der Fürst mit seinen Gästen möglichst wenig durch das Personal gestört wurde.

Das Obergeschoss hat ovale stehende Fenster, aus denen von den privateren Räumen des Fürstenpaares aus sich ebenfalls angenehme Ausblicke in die künstlich geordnete Landschaft ergeben. Innerhalb einer Schlossführung wurde allerdings vor Jahren erzählt, dass C.T. – also Kurfürst K(C)arl Theodor (CT), so wurde er auch genannt – nur äußerst selten hier weilte – genau überliefert ist überhaupt nur ein einziger Aufenthalt, da er später nach München übersiedeln musste. Und auch die Ehe des fürstlichen Paares soll nicht dem Charakter des Schlosses entsprochen haben.

Die Seitenteile des Hauptbaues sind in einen männlichen und einen weiblichen Teil aufgegliedert. Zu den interessantesten Räumen des Schlosses gehören die Badezimmer, das des Kurfürsten war sinnigerweise mit Eichenblättern als Hinweis auf männliche Kraft dekoriert ist.

Diese Badezimmer gehen auf den kleinen Innenhof des Schlosses und können von den offiziellen Räumen aus nicht eingesehen werden. Beide Zimmer sind schwelgerisch mit Stuckdekorationen ausgestattet, das der Kurfürstin mit einem Badetuchhimmel. Zur Badezeremonie selber musste eine Wanne durch die Türen transportiert werden, welche demnach nicht besonders umfangreich gewesen sein konnte.

Die zentralen Seitenfenster des Hauptbaues blicken auf kleinere Gartenanlagen, die ebenfalls zentral auf das Schloss hin angelegt wurden. Im Osten lagen die Privaträume des Kurfürsten, natürlich da, wo in der Kirche der Altar steht, – im Westen die der Kurfürstin Elisabeth Auguste. Die westliche Seite war in der mittelalterlichen Architektur immer die negativere.

Der Fürst blickte auf einen wohlgeordneten französischen Garten. Die Fürstin blickte ursprünglich ebenfalls auf einen französischen Garten, der aber später zu einem wilderen englischen Garten umgestaltet wurde, der heute mit seinen Fischen und Enten wesentlich interessanter ist.

Auf der Rückseite des Schlosses geht der Blick auf diesen langen Weiher in Richtung Rhein. Seit 1928 ist das Schloss Benrath Eigentum der Stadt Düsseldorf. Bereits ein Jahr zuvor wurde hier 1927 ein Gymnasium eingerichtet, nach anderen Angaben sogar bereits 1912, das aber 1980 in einen Neubau umgezogen ist. Dieser Neubau nennt sich skurrilerweise dennoch immer noch Schloßgymnasium.

Seit dem Jahr 2002 ist hier ein Museum für europäische Gartenbaukunst untergebracht. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen ist das gesamte Schloss hervorragend restauriert worden.

Der Lageplan beweist, dass es sich tatsächlich um eine künstlich angelegte oder künstlich veränderte Gartenanlage handelt, die im Hauptgebäude des Schlosses seinen absoluten Mittelpunkt fand entsprechend der Herrschaftsauffassung des barocken Fürstentums.

Benrath / Barock–Schloss

Einer kurfürstlichen Laune – so behaupteten seinerzeit böse Zungen – sei es zu verdanken, dass im Düsseldorfer Süden ein barockes Bauwerk von europäischem Rang die Besucher in seinen Bann zieht. 1755 entschloss sich der aus der Pfalz–Sulzbacher Linie stammende Kurfürst Carl Theodor, das Lust– und Gartenschloss Benrath bauen zu lassen. Obwohl er in Mannheim und Schwetzingen residierte, beauftragte er seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage, der in Paris ausgebildet wurde, mit dem Neubau. Nach 14jähriger Bauzeit erstrahlte schließlich das Lustschloss auf einer Grundfläche von 42 mal 27 Metern in der Farbe von Pfirsichblüten. 1771 waren die Arbeiten am Innen– und Außenbau abgeschlossen.

Hier hat später die Landesregierung schon vor Jahrzehnten eine Außenstelle für repräsentative Staatsempfänge unterhält, u. a. vor einigen Jahren für Michail Gorbatschow und in den frühen 60er Jahren für Königin Elisabeth II. von England und noch früher für Soraya von Persien.

Das Benrather Schloss ist ein Spätbarockschloss. Vor dem Schloss liegt ein runder Weiher mit Insel und reichem Entenbestand, hinter dem Schloss ein langer Weiher und ein großer, künstlich gestalteter Park, der bis zum Rhein reicht und zu den schönsten Parkanlagen des Landes gehört. Die gesamte Anlage ist von einem Wassergraben umzogen.

Hier gab es schon einen Vorgängerbau von ca. 1650. Die ganze Anlage war damals schon anmutig in die Landschaft eingebettet. Sie war als Sommerschloss gedacht, da das Düsseldorfer Schloss nicht genügend freie Umgebung bot, um eine große Gartenanlage mit Tiergehegen anzulegen.

1755 – 73 wurde dann der neue Hauptbau des Benrather Schlosses errichtet. Es sollte dem Kurfürst als Jagdschloss dienen und sieht mit seiner Umgebung heute noch genauso aus wie im 18. Jahrhundert.

Das Zentrum der ganzen dreiflügeligen Anlage mit den beiden seitlichen Anbauten ist der Kuppelsaal, auf den nicht nur die Gartenachsen zulaufen, wie man durch das Mittelfenster ahnen kann, sondern auch die Straßen, die in dem damals unbebauten Gelände auch angelegt wurden und die teilweise heute noch in der damals vorgegebenen Richtung verlaufen.

Freskenmalerei in der Kuppel

Als Mittelpunkt des Schlosses glänzt der Kuppelsaal mit einem außergewöhnlichen Marmorboden, der mit Rosetten reichverzierten Kuppel und Freskenmalerei in der zweiten Kuppel. Die Konstruktion der Kuppel ist so gehalten, dass sie durch alle Geschosse reicht und mit einer Laterne, dem Belvedere, über das Dach hinausragt.

Die Fortsetzung der Architektur mit der Gartenbaukunst wird im Kuppelsaal deutlich. Wenn der Blick aus der hohen mittleren Fenstertür über die mit Göttergestalten besetzte Terrasse schweift, so scheint der fast 700 Meter lange, durch den Spiegelweiher bestimmte Gartenraum dem großen, runden Festsaal angemessen. Die seitlichen Fenster geben die Sicht zur Hauptallee des Waldparks auf der einen und die ihr entsprechende Allee auf der anderen Seite frei. Die im Kuppelsaal den Fenstern gegenüberliegenden Spiegel reflektieren Achsen und Parkanlagen.

Aus dem Kuppelsaal führen die Wege in die Gartensäle, die vor allem durch außergewöhnliche Deckengemälde und Parkettböden mit Intarsien beeindrucken. Marmorstuck, Gemälde, Blattgoldverzierungen an großen Spiegeln und Putten schmücken das Jagdschloss, dessen Schutzpatronin, die Jagdgöttin Diana, auf dem Dach verewigt ist.

In der scheinbar eingeschossigen Fassade zeigt sich eine Art „Understatement“ des fürstlichen Bauherrn. Denn hinter den Fassaden verbirgt sich in vier Geschossen ein raffiniert durchkomponiertes System von 80 Räumen, zwei Lichthöfen und sieben Treppenhäusern. Dieser liebenswürdige Betrug war ein Überraschungseffekt, wie er in der barocken Bau– und Gartenkunst schon vorher beliebt war. Die Besucher sollten erst im Innern merken, wie geräumig das Schloss ist.

Nur kurze Zeit dauerte es noch, bis die Wasserspiele, die Weiher und Parkanlagen vollendet waren, die in engem Zusammenhang mit dem Bau stehen. Denn Gebäude und Park bilden eine Einheit. Die runden und eckigen Formen der Grünanlagen setzen sich im Schloss fort. Das Schloss mit seinen beiden Flügeln und Torwächterhäusern ist symmetrisch. Ebenso wurden die Lebensbereiche von Kurfürst und Kurfürstin spiegelbildlich gebaut. Jeder hatte seinen eigenen Wohntrakt: die Dame im Osten mit Blick auf den französischen Garten. Die Kammern mit behaglichem Komfort, Schlafräume und Dienstbotenstuben gruppieren sich um zwei versteckte Innenhöfe, die von außen gar nicht sichtbar sind.

Hauskapelle im Obergeschoss:

Im Obergeschoss wurde die kurfürstliche Hauskapelle eingerichtet. Ebenso sind dort Apartments für die Begleitung des Fürstenpaares sowie zwei Gesellschaftsräume untergebracht. Auch hier begeistern Parkettböden, Marmorkamine, farbig gefasste Vertäfelungen, geschnitzte Spiegelrahmen und bunte fröhliche Chintz–Wandbespannungen, die im Rahmen von Restaurierungsmaßnahmen in den 70er Jahren erneut wurden.

Die Arbeiten am Innen– und Außenausbau waren 1771 abgeschlossen. Bis auf kleine unwesentliche Veränderungen im Garten ist Schloss Benrath noch unverändert. Kurfürst Carl Theodor und Kurfürstin Elisabeth Auguste haben die Vorzüge des behaglichen Schlosses allerdings kaum genossen. Nur jeweils einmal besuchten sie das Lustschloss. Dafür reisten viele Künstler und Schriftsteller nach Benrath. Theodor Fontane und Thomas Mann beispielsweise ließen sich von dem kurfürstlichen Kleinod für ihre Werke inspirieren.

Die innere Struktur des Schlosses ist außerordentlich effektvoll und auf eine reiche Hofhaltung eingestellt. In den dicken Innenmauern verläuft ein ausgeklügeltes Gangsystem für die Dienstboten mit eigenen Treppenhäusern, so dass der Fürst mit seinen Gästen möglichst wenig durch das Personal gestört wurde.

Das Obergeschoss hat ovale stehende Fenster, aus denen von den privateren Räumen des Fürstenpaares aus sich ebenfalls angenehme Ausblicke in die künstlich geordnete Landschaft ergeben. Innerhalb einer Schlossführung wurde allerdings vor Jahren erzählt, dass C.T. – also Kurfürst K(C)arl Theodor (CT), so wurde er auch genannt – nur äußerst selten hier weilte – genau überliefert ist überhaupt nur ein einziger Aufenthalt, da er später nach München übersiedeln musste. Und auch die Ehe des fürstlichen Paares soll nicht dem Charakter des Schlosses entsprochen haben.

Die Seitenteile des Hauptbaues sind in einen männlichen und einen weiblichen Teil aufgegliedert. Zu den interessantesten Räumen des Schlosses gehören die Badezimmer, das des Kurfürsten war sinnigerweise mit Eichenblättern als Hinweis auf männliche Kraft dekoriert ist.

Diese Badezimmer gehen auf den kleinen Innenhof des Schlosses und können von den offiziellen Räumen aus nicht eingesehen werden. Beide Zimmer sind schwelgerisch mit Stuckdekorationen ausgestattet, das der Kurfürstin mit einem Badetuchhimmel. Zur Badezeremonie selber musste eine Wanne durch die Türen transportiert werden, welche demnach nicht besonders umfangreich gewesen sein konnte.

Die zentralen Seitenfenster des Hauptbaues blicken auf kleinere Gartenanlagen, die ebenfalls zentral auf das Schloss hin angelegt wurden. Im Osten lagen die Privaträume des Kurfürsten, natürlich da, wo in der Kirche der Altar steht, – im Westen die der Kurfürstin Elisabeth Auguste. Die westliche Seite war in der mittelalterlichen Architektur immer die negativere.

Der Fürst blickte auf einen wohlgeordneten französischen Garten. Die Fürstin blickte ursprünglich ebenfalls auf einen französischen Garten, der aber später zu einem wilderen englischen Garten umgestaltet wurde, der heute mit seinen Fischen und Enten wesentlich interessanter ist.

Auf der Rückseite des Schlosses geht der Blick auf diesen langen Weiher in Richtung Rhein. Seit 1928 ist das Schloss Benrath Eigentum der Stadt Düsseldorf. Bereits ein Jahr zuvor wurde hier 1927 ein Gymnasium eingerichtet, nach anderen Angaben sogar bereits 1912, das aber 1980 in einen Neubau umgezogen ist. Dieser Neubau nennt sich skurrilerweise dennoch immer noch Schloßgymnasium.

Seit dem Jahr 2002 ist hier ein Museum für europäische Gartenbaukunst untergebracht. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen ist das gesamte Schloss hervorragend restauriert worden.

Der Lageplan beweist, dass es sich tatsächlich um eine künstlich angelegte oder künstlich veränderte Gartenanlage handelt, die im Hauptgebäude des Schlosses seinen absoluten Mittelpunkt fand entsprechend der Herrschaftsauffassung des barocken Fürstentums.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

Lit.:

Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 31973, S. 68–74.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

Lit.:

Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 31973, S. 68–74.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

Lit.:

Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 31973, S. 68–74.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

Lit.:

Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 31973, S. 68–74.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

Lit.:

Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 31973, S. 68–74.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

Lit.:

Pevsner, Nikolaus: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 31973, S. 68–74.

ST. MICHAEL

Die Michaelskirche in Hildesheim wurde von 1010 – 1033 erbaut und ist der ottonische Kirchenbau Deutschlands und gehört nach dem Urteil der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“. Die Michaelskirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Abendlandes. Hier ist im Gesamtbau und in den Einzelformen eine neue Freiheit und Unabhängigkeit von Antikem, Frühchristlichem, Byzantinischem und auch Karolingischen erreicht. Hier hat sich eine rein deutsche Architektur herausgebildet. Hier wurde zum ersten Mal der gesamte Kirchenbau nach einer durchgehenden maßeinheitlichen Ordnung gestaltet, indem das Vierungsquadrat zur Grundeinheit für die Gesamtkonstruktion genommen wurde. Die Gesamtansicht verdeutlicht die strenge kubische Ordnung, die den Eindruck archaischer Macht ausstrahlt.

Bis 1945 blieb dieser Bau unzerstört stehen und die Stadt glaubte schon, dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges entgangen zu sein, der bis dahin schon so viele deutsche Städte zerstört hatte. Aber am 22. März 1945, fast schon am Ende des Krieges, machte ein einziger alliierter Bombenangriff dieser Hoffnung ein Ende.

Dieser Bau gibt die Zusammenfassung aller bisher entwickelten Baugedanken und bleibt in dieser Grundform gültig für die beiden folgenden Jahrhunderte. Die Kirche ist eine Basilika mit einer östlichen und einer westlichen Choranlage, mit zwei Querschiffen, die sich mit dem Langhaus durchdringen und damit das zentrale Vierungsquadrat bilden. Die Vierungstürme haben nördliche und südliche Flankentürme. Die beiden Choranlagen fassen das dreischiffige Langhaus zwischen sich, das fast genau der Länge des Querschiffs entspricht.

Die Grundsteinlegung fand durch Bf. Bernward 1010 statt, dem man vor der Kirche ein bronzenes Denkmal gewidmet hat. Die Bauleitung hatte der aus Köln stammende Abt Goderamnus inne. Bernward selber hatte in Rom gelernt, was Kunst und Architektur bedeuten konnten, wie sich der Sinn der Bibel durch Kunst auslegen ließ. Geldschwierigkeiten gab es nicht, es handelte sich schließlich um einen Auftrag des Kaisers.

Begonnen wurde mit der Westkrypta, die 1015 geweiht wurde. 1033 erfolgte die Weihe der ganzen Anlage. Außer der Krypta und den Apsiden sind alle Räume flach gedeckt. Die Kirche St. Requier in Centula nordwestlich von Amiens, die man in gewisser Weise als Vorgängerbau ansehen kann, die aber nicht mehr existiert, hatte im Westen noch ein sog. Westwerk, einen eigenständigen Bauteil, wie er bei uns noch in Corvey steht.

Bf. Bernward ersetzte dieses Westwerk durch einen Westchor und schuf damit das dynamische Gegenstück zum Ostchor, für die Architekturgeschichte ein ungemein folgenschwerer Schritt.

Unter dem Westchor befindet sich eine Krypta mit einem ringförmigen Umgang. Hier wurde Bernward begraben. Die Idee dazu kam auch aus Frankreich, und zwar aus Saint–Martin in Tours.

Innenraum

Die Gestaltung des Innenraumes sollte genau wie die des Außenbaues die nächsten Jahrhunderte der deutschen Architektur maßgeblich beeinflussen. Zunächst wird im Grundriss die Bedeutung des bereits erwähnten Vierungsquadrates deutlich.

Dann ist hier zum ersten Mal der sog. „sächsische Stützenwechsel“ eingeführt worden. Mit „sächsischem Stützenwechsel“ ist eine Aufeinanderfolge von jeweils einem Pfeiler und zwei Säulen gemeint. Beides sind Stützen, aber der Pfeiler hat am Bogenansatz lediglich einen sog. Kämpfer, während eine Säule immer aus einer Basis, einem Schaft und einem Kapitell besteht, auf dem ein Kämpferblock aufliegen kann.

Holzdecke

Die Innenräume der Romanik waren häufig exzessiv ausgemalt, und das sieht man hier in Hildesheim auch an der Holzdecke. Diese Decke mit den Maßen 27 x 9 m ist keine Nachahmung, sondern stammt original aus dem Jahr 1192. In ähnlicher Bemalung muss man sich die Langhaus–Wände vorstellen. Neben dem Deckengemälde in Zillis in Graubünden ist das hier das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Es überdauerte auch den 2. Weltkrieg nur deshalb, weil seine wesentlichen Teile rechtzeitig geborgen werden konnten. Vor dem Wiedereinbau im Jahr 1960 sind alle Teile der Malerei sorgfältig gereinigt und restauriert worden.

Nördliche Chorschranke

Auch die nördliche Chorschranke in der Vierung vor dem Westchor beweist die Farbenfreudigkeit des hohen Mittelalters. Sie wurde 1194 – 1197 hier angebracht. Die Schmuckformen sind durch und durch Stukkaturen. Diese Technik der Gestaltung von Skulpturen und Reliefs war in Niedersachsen verbreitet und zu hoher Kunstfertigkeit entwickelt.

Auch die Außenseite der Chorschranke ist mit Reliefs geschmückt. In sieben Bögen stehen Heiligenfiguren. Das Foto zeigt in der Mitte Petrus mit dem Schlüssel, rechts daneben Maria mit dem Kind, links Jakobus. Die Figuren treten stark von der Wandfläche hervor und werden an einigen Stellen fast vollrund.

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