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Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

Die Geschichte Venedigs kann man unter die Überschrift stellen „Die Macht auf dem Meer – Von der Flucht zum Angriff.“ Und es muss auch gleich am Anfang betont werden, dass gerade diese Vorgeschichte Venedigs seit einiger Zeit in der Forschung sehr umstritten ist und dass man mit Eifer dabei ist, die uralte Mythologie über die angeblichen Anfänge Venedigs als ‚Stadt im Meer entstanden’ deutlich zu korrigieren.

Vor einiger Zeit ist nämlich von Archäologen in der Nähe der Laguneninsel Torcello entdeckt worden, dass nicht die Veneter, sondern schon die Römer kurz nach der Zeitenwende an dieser Stelle gesiedelt haben. Zwei Meter unter dem Wasserspiegel wurde der Fußboden eines altrömischen Hauses freigelegt. Obwohl damit bewiesen ist, dass Venedig älter als 1.500 Jahre ist – eine Information, wie sie normalerweise in Städten immer sehr begrüßt wird –, hörten die Venezianer diese Forschungsergebnisse mit wenig Befriedigung. Denn damit wären eben nicht die Veneter die Urahnen der heutigen Stadtbewohner, sondern wieder einmal die alten Römer, was dem Glanz Venedigs doch einiges an Einmaligkeit nehmen würde.

Kurz gesagt geht die Tendenz der neueren Forschung dahin, die Geschichte Venedigs in die römische Zeit hin zu verlängern. Und das Gebiet hätte anfangs auch gar nicht im Wasser gelegen, sondern sei erst später, seit dem 4. Jahrhundert überflutet worden. Ich halte diese Einschränkung nicht für wesentlich, denn das was Venedig ausmacht, hat mit einer möglichen römischen Vorgeschichte wenig zu tun.

Zu einer neueren Theorie über die genauen Entstehungsursachen Venedigs von Wladimiro Dorigo s. Romanelli, Giandomenico (Hrsg.): Venedig. Kunst und Architektur. 2 Bde. Köln 1997, S. 12: Das Gebiet sei in römischer Zeit aus dem Wasser aufgetaucht und ausgetrocknet, sei dann im 4., 5., 9. und dann nochmals im 11. –13. Jahrhundert durch den Anstieg des Meeres überflutet worden.

Venedig verdankt seine Existenz einerseits dem Verfall der römischen Macht in der ausgehenden Antike und andererseits den darauf folgenden Raubzügen der Barbaren. Vor allem die Westgoten unter Alarich müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die im Jahr 410 sogar Rom erobert hatten.

Den entscheidenden Anlass zur Gründung Venedigs gab aber der Hunnenkönig Attila im Jahr 452. Der Einfall seiner Reiterscharen in Venetien zwang die dortigen Bewohner, die Veneter, erneut, in den Sumpfgebieten der Adria–Bucht Schutz zu suchen.

Das sagenhafte Gründungsdatum Venedigs ist allerdings der 25. März 421, als die Veneter angeblich schon einmal vor einem Feind ins Meer hinaus flohen. Dieses Datum ist aber durch nichts bewiesen. (Zorzi, Alvise: Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik [1979]. Hildesheim 2. Auflage 1992, S. 15). Und diesmal fingen die Veneter an, sich langsam auf eine ständige Existenz im Lagunenwasser einzurichten.

Den letzten Anstoß zum endgültigen Verlassen des Festlandes gab dann der große Langobardeneinfall im Jahr 568, und zwar aus einem entscheidenden Grund: Alarich und Attila waren noch nach Italien gekommen, um Beute zu machen und dann wieder zu verschwinden. Die Langobarden aber kamen, um hier zu bleiben. In den anderen Kunststädten Norditalien spielt der langobardische Einfluss eine entscheidende Rolle. Nicht so in Venedig.

Alle diese Barbarenstämme konnten in die nördlichen Regionen Italiens nur vordringen, weil hier ein Machtvakuum entstanden war, seitdem das Imperium Romanum im 5. Jahrhundert allmählich zerbrochen war und sich der Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel verlagert hatte.

Nach den Barbareneinfällen floh anfangs jede Kommune für sich auf eine eigene Inselgruppe. Dorthin konnten ihnen die fremden Reiterscharen nicht folgen. Denn mit Booten konnten sie nicht gut umgehen und außerdem gab es hier ein kompliziertes System von Sandbänken und Untiefen, in denen sich die Barbaren nicht auskannten.

Die Wassertiefe in dieser Bucht ist an einigen Stellen sehr niedrig und erlaubt den Bau von Siedlungen. Solche provisorische Siedlungen im Meer entstanden nicht erst zu jener Zeit, sondern waren in Oberitalien seit Jahrhunderten bekannt, auch in der Gegend der großen Seen. Als Venedig entstand, konnte man also schon auf einige Erfahrung in der Wasserbautechnik zurückgreifen und auch die Angriffe fremder Völker waren hier nicht neu, vor allem nicht die der Germanen.

Die politischen Einflussbereiche in der Mittelmeerwelt um das Jahr 600 herum sah folgendermaßen aus: Die entscheidende Macht war deutlich das Byzantinische Reich und den byzantinischen Einfluss in der italienischen Kunst des Mittelalters ist immens. Er spielt vor allem in Norditalien in Ravenna und eben hier in Venedig eine entscheidende Rolle. – Aber das Reich der Franken war auch nicht weit entfernt. Und dieser Antagonismus zwischen byzantinischen und germanischen Kräften wird in der venezianischen Kunstgeschichte noch von Bedeutung sein.

Im Jahr 810 versuchten die Franken in die Lagune einzudringen, wurden aber mit Hilfe einer griechischen Flotte – das ist der byzantinische Bereich – zurückgedrängt. 812 unterzeichnete Karl der Große in Aachen die Friedensurkunde, in der er zu Gunsten von Byzanz auf Venetien verzichtete. – Und im Nordosten standen die Awaren und die slawischen Stämme, deren Raubzüge für die Entstehung Venedigs verantwortlich waren.

Der Ursprungsort Venedigs soll auf dem Lido in dem kleinen Ort Malamocco gelegen haben, auf dem die ersten Dogen herrschten, bevor sie ihren Sitz im 8. Jahrhundert nach Rialto verlegten, dessen Gründung im Jahr 455 gewesen sein soll, also drei Jahre nach dem ersten Angriff der Hunnen. Der Name „Rialto“ kommt von der Bezeichnung „tiefer Fluss“, „rivo alto“ her, was zu Ri–alto verkürzt wurde.

Die Versorgung der entstehenden Stadt mit Süßwasser innerhalb der Adria war nicht so problematisch, wie man glauben könnte. Das Lagunenwasser ist nicht sonderlich salzhaltig, weil einige Festlandflüsse hindurch ziehen, vor allem die Brenta, von der ein Teil später zum Canàl Grande wurde. Von ihrem Wasser und von Brunnen, die das Regenwasser sammelten, deckte Venedig seinen Bedarf. Insgesamt münden 24 Wasserläufe vom Festland her in die Lagune ein. Die Lagune ist insgesamt 55.000 ha groß, davon 50.000 ha Wasser und 5.000 ha Land.

Die ersten „Bewohner“ Venedigs, wenn man sie überhaupt so nennen darf, lebten noch in flachen Booten, die eine schnelle Rückkehr zum Festland ermöglichten. Dann verlegten sie sich auf Pfahlbauten und fingen an, bescheidenen Handel von dort aus zu treiben. Solche provisorische Besiedlungsformen in der Lagune existieren heute noch. Langsam wuchsen die Bebauungen auf den insgesamt 118 Inselchen zusammen, nachdem die internen Streitereien zwischen den Machtzentren der verschiedenen Laguneninseln, vor allem mit Torcello, beigelegt worden waren und die regionale Herrschaft der Lagune sich auf das besonders unzugänglich gelegene Rialtogebiet konzentrierte. Hier wählte man sich einen Führer, lateinisch einen „Dux“, „Duce“, welches Wort später zu „Doge“ verändert wurde. Auch in anderen Seerepubliken wie beispielsweise Genua gab es einen solchen „Dogen“.

Venedig hatte – wie auch einige andere Städte Nordost-Italiens – von Anfang an enge Beziehungen zu dem neuen internationalen Machtzentrum Konstantinopel und ist lange Zeit der oströmischen Baukunst sehr verpflichtet gewesen. Im Jahr 584 war das oströmische Reich daran gegangen, das italienische Territorium zu erobern und konzentrierte seine Macht in Ravenna ungefähr 100 km südlich von Venedig. Mit der anfänglichen Anerkennung dieser byzantinischen Vorherrschaft schützte man sich in Venedig andererseits auch gegen die Expansionspolitik der Franken aus dem Norden. Diese Gleichgewichtspolitik innerhalb und außerhalb der Republik war nicht einfach. Im 8. Jahrhundert war es Karl der Große, der die Herrschaft von Westrom anstrebte. Karl versprach seinem Sohn Pippin Italien und Istrien. Pippins Truppen fielen in die Lagune ein. Erst 812 kam es zum Frieden von Aachen. Byzanz erkannte Karl den Großen als König des Westreiches an. Venedig blieb bei Byzanz.

Es gab vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine franken– und eine byzanzfreundliche Partei in der Stadt und ihre Rivalität führte zu einigen gewaltsamen Machtwechseln, weshalb der Dogenpalast anfangs noch den Charakter einer Festung hatte und nicht so offen und freundlich aussah wie heute.

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