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Photos by Benedikt Jorns: on the map, in Google Earth (KML)

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Benedikt Jorns's conversations

Benedikt Jorns said:

Für das Siedlungsgebiet westlich des Zentrums von Bremgarten hat man bereits 1985 ein innovatives Energiekonzept gefunden. Das Wasser aus der Abwasserreinigungsanlage ARA Bern (rechts im Hintergrund) wird seither für ein Wärmekollektiv genutzt. Damit können grosse Mengen fossiler Energie eingespart und die Luftqualität in Bremgarten deutlich verbessert werden. Da im Bereich der Aare sich im Winter häufig eine Inversionslage mit stark reduziertem Luftaustausch einstellt, ist dies besonders für die flussnahen Gebiete von grosser Bedeutung.

Die Wirtschaftlichkeit eines Wärmekollektivs mit Wärmepumpen hängt im Wesentlichen von der zu erbringenden Wärmeleistung und der Gesamtlänge aller Zuleitungen ab. Ideal ist ein grosser Wärmeverbund mit relativ kurzen Zuleitungen. Die in Bremgarten angewendete Technik war noch wenig erprobt. Die Anlage hätte bereits nach wenigen Jahren gemäss den neusten Erkenntnissen leistungsfähiger und weniger störungsanfällig gemacht werden müssen. Unglücklicherweise wurde diese kostspielige Sanierung genau dann nötig, als wegen dem kontraproduktiven Übereifer von Umweltschützern im Kanton Bern das Bauland zwischen dem Dorfzentrum und Stuckishaus als so genannte „Kulturfolgefläche“ für 12 Jahre einem Baustopp unterlag. Da sich der Bau von neuen Wohnungen unabhängig von solchen Vorschriften parallel zur Zunahme der Wohnbevölkerung entwickelt, wurde wegen solchen sich sehr ungünstig auswirkenden Überbauungsstopps für erschlossenes Bauland die weitere Umgebung von Bern fürs Wohnen entdeckt. Damit verbunden wuchs leider die Beanspruchung des Strassennetzes insbesondere auf den stark frequentierten Verkehrsachsen durch Zollikofen, Ostermundigen, Wabern und Köniz während den Rush-Hour-Zeiten und auch die Autobahn-Umfahrung von Bern wird gemäss den erstellten Statistiken stark vom regionalen Verkehr beansprucht. Während die vorhandene Infrastruktur des erwähnten Baulandes nicht genutzt werden durfte, entstand ein finanzieller Engpass beim Wärmekollektiv. Die Anlage verlotterte allmählich und in den angeschlossenen Häusern wurden entgegen den Bestimmungen zunehmend konventionelle Heizungen installiert.

Die nach dem Ablauf des Baustopps einsetzende Überbauung brachte wieder bessere Perspektiven für das Wärmekollektiv. 2005 konnte eine Sanierung durchgeführt werden und weitere Anschlüsse an das Wärmeverbundnetz wurden möglich. 11 grosse Wärmepumpen versorgen seither verschiedene Siedlungen, das Altersheim, das kirchliche Zentrum und die Schulhäuser mit Heizwärme. Das Bundesamt für Energie (BFE) unterstützte dieses Vorhaben.

Bremgarten hat mit seinem Wärmekollektiv eine Pionierleistung vollbracht. Seit 1985 werden in der Schweiz zunehmend solche Anlagen realisiert. Zusammen mit den kleineren Wärmepumpsystemen neu erstellter Liegenschaften mit Minergie-Standard leisten sie einen bemerkenswerten Beitrag zur Verminderung des CO2-Ausstosses. Allerdings benötigen solche Anlagen relativ viel elektrischen Strom (bis 25% der Heizleistung). Der dadurch zu erwartende Mehrverbrauch an elektrischer Energie dürfte wesentlich mehr ausmachen, als die noch realisierbare Effizienzsteigerung beim Stromverbrauch bringen kann. Da in den nächsten Jahren zudem vermehrt Autos mit Elektromotor und Lithium-Ionen-Akkus auf den Markt kommen werden, wird der momentan zu beobachtende jährliche Anstieg des Stromverbrauchs in der Schweiz von ca. 2% voraussichtlich spürbar grösser werden. Die vom Bundesrat als „Übergangslösung“ tolerierten Gas-Kombi-Kraftwerke der Elektrizitätsgesellschaften werden mit ihrem grossen CO2-Ausstoss den erreichten Fortschritt der innovativen Wärmekollektiv-Anlagen leider in Frage stellen.

Artikel im „Wecker“ zur Eröffnung des Wärmekollektivs in Bremgarten.


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Benedikt Jorns said:

1954 nahm das erste Kernkraftwerk seinen Betrieb auf (Obninsk, Russland). 1969 wurde das erste Kernkraftwerk in der Schweiz produktiv (Beznau-I). Doch langsam wuchs der Widerstand gegen diese Art der Energiegewinnung in einigen westeuropäischen Ländern. Die Protestbewegung gegen die „Atomkraft“ fand in der Schweiz ihren Höhepunkt 1975 mit der Besetzung des Projektgeländes von Kaiseraugst. Die Wirkung der Kernkraftwerkgegner auf die weitere Entwicklung kann aus heutiger Sicht besser abgeschätzt werden. Die drei geplanten Kernkraftwerke in Kaiseraugst, Graben und Rüti wurden nicht gebaut. Dafür importieren wir aus französischen Kernkraftwerken etwa in entsprechendem Umfang Elektrizität. Dabei fliesst nicht nur Strom zu uns sondern auch Geld nach Frankreich. Nicht verhindern konnten die Kernkraftwerkgegner die intensive Forschung im Bereich der Kernenergie. Selbst in Deutschland, das offiziell aus deren Nutzung aussteigen will, wird an verschiedenen Forschungszentren wie in Jülich und im Max-Planck-Institut die Weiterentwicklung der Reaktortechnik an vorderster Front betrieben. Insbesondere im Bereich der Kernfusion gehört Deutschland zu den weltweit führenden Nationen.

Die Kernkraftwerkgegner haben jedoch nicht nur Vorhaben verhindert oder versucht, sie zu verhindern, sie sind auch engagierte Förderer der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Wahrscheinlich wäre ohne sie die Nutzung der Wind- und Solarenergie nicht soweit fortgeschritten. Es werden Minergie-Häuser gebaut und Apparate mit weniger Stromverbrauch propagiert. Auch die Entwickler und die Nutzer der Nuklear-Technologie sind gefordert. Bestehende Kernkraftwerke wurden nachträglich mit zusätzlichen Sicherheitsausrüstungen versehen. Genau definierte Sicherheitskriterien müssen erfüllt sein, damit ein neuer Kernkraftwerk-Typ einer höher bewerteten Generation zugeteilt werden kann. Die Verbreitung von Nuklearwaffen durch die friedliche Nutzung der Kernenergie (= Proliferation) wird dank dem Atomsperrvertrag verhindert und durch die Internationale Energie-Agentur (IEA) nach deren Vorgaben kontrolliert.


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Benedikt Jorns said:

Der natürliche Kohlendioxid-Haushalt wird durch den ständig wachsenden Verbrauch an fossilen Brennstoffen zunehmend aus dem Gleichgewicht gebracht. Die CO2-Konzentration blieb in den letzten 10’000 Jahren vor Beginn der Industrialisierung im Jahresdurchschnitt relativ konstant bei 280 ppm. Unsere stets steigenden Lebensansprüche, vor allem unser wachsendes Bedürfnis, gerade dort zu sein, wo wir im Moment „noch“ nicht sind, wirken sich aus: 2007 betrug die CO2-Konzentration schon 383 ppm. In 10 Jahren erwartet man sie bei ungefähr 400 ppm. Es scheint, dass auch die natürlichen Kohlendioxid-Puffer nicht mehr in der Lage sind, CO2 aufzunehmen. Im Gegenteil: Die zunehmende Klimaerwärmung könnte solche Puffer wieder entladen (z.B. durch das Auftauen der Tundra in Sibirien).

Wir haben Null Chancen, das Ansteigen der CO2-Konzentration zu stoppen, wenn wir nicht alle uns zur Verfügung stehenden Massnahmen ergreifen! Die Biomasse, die Wasserkraft, die Photovoltaik, die Solarwärme, die Windkraft und andere erneuerbare Energien sind aus unserer zukünftigen Energieversorgung nicht wegzudenken. Die Nutzung der Kernenergie (inkl. der Kernfusion) ist daneben die einzige uns unbeschränkt zur Verfügung stehende Energiequelle. Eine kritische Haltung zu Kernkraftwerken ist notwendig, doch wäre es nicht sinnvoll, deren Weiterentwicklung zu stoppen. Die Forschung, die Entwicklung und das Sammeln von Erfahrungen sind in allen Bereichen der Energieversorgung und –nutzung sowohl für die heutige wie für die kommenden Generationen wichtige und leider nicht ganz einfache Aufgaben.

Siehe auch unter: Gedanken zur Energieversorgung in der Zukunft und speziell zur Kernfusion


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Benedikt Jorns said:

Die Meinungen über den zukünftigen weltweiten Energieverbrauchs und über die zu erwartenden Anteile der verschiedenen Energiequellen gehen stark auseinander. Das ist in der heutigen Situation sehr verständlich; es ist alles andere als einfach, Voraussagen zu machen. Hier ist ein Versuch, die Entwicklung des weltweiten Energieverbrauch sowie der Nutzung von erneuerbaren Energien und der Kernenergie bis ins Jahr 2200 grafisch darzustellen. Auch wenn diese Abschätzungen zum heutigen Zeitpunkt nur meine persönliche Sicht wiedergeben und wohl noch weit entfernt von der kommenden Realität sind, können sie im Vergleich zu anderen Voraussagen bei der Diskussion nützlich sein. Es ist anzunehmen, dass während den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Sicht in unsere Energie-Zukunft langsam vom heute noch vorhandenen Nebel der Unsicherheit befreit wird. Die hier gezeigten Grafiken sind stets an die neusten Erkenntnisse anzupassen.


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Benedikt Jorns said:

Neue Kernkraftwerke der Generation III werden zwar einige Neuerungen zur Erhöhung der Betriebssicherheit bringen und damit das Risiko einer radioaktiven Verseuchung der Umgebung weiter reduzieren, doch grundlegende Neuentwicklungen bringen sie nicht. Es ist die letzte Generation von Kernkraftwerken, die noch vorwiegend mit Uran 235 gefüttert werden und die uns bekannten radioaktiven Abfälle erzeugen. Erst ab etwa 2030 werden mit der Generation IV völlig neue Konzepte zur Anwendung gelangen und ungefähr ab der Jahrhundertmitte werden, wenn die Weiterentwicklung planmässig verläuft, erste Reaktoren der Generation V mit Kernfusion zum Einsatz kommen.

Das geplante Kernkraftwerk Beznau III soll einen etwas anders aussehenden Kühlturm erhalten als die alten KKW von Gösgen und Leibstadt. Hohe Kühltürme mit aufsteigendem Wasserdampf werden in Zukunft wie alte Dampflokomotiven an vergangene Zeiten erinnern.


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Benedikt Jorns said:

14.06.2009 – Artikel in verschiedenen Schweizer Zeitungen:

“Neue AKW: Stromkonzerne schalten auf stur

Bis Ende Juni sollten sich die drei grossen Stromkonzerne auf zwei Standorte für ein neues AKW einigen. Doch alle beharren auf dem eigenen Projekt. Die Sache ist verzwickt, und die Zeit eilt. Jeder der drei grossen Stromkonzerne will ein neues Atomkraftwerk bauen: Alpiq in Gösgen (SO), Axpo in Beznau (AG) und die BKW in Mühleberg (BE). Alpiq hat das Gesuch Anfang Juni 2008 eingereicht, Axpo und die BKW gemeinsam Ende 2008. Seit zwölf Monaten versichern die drei Konzerne, dass sie sich auf zwei Standorte einigen werden. Als Termin hat ihnen der Bundesrat Ende Juni 2009 vorgegeben: Wenn bis dann ein Gesuch zurückgezogen werde, könnten die beiden andern rascher behandelt werden.“

Das Bewilligungsverfahren und der Bau von Kernkraftwerken dauern in unserer direkten Demokratie sehr lange. Kein anderes Land benötigt dazu fast 20 Jahre. Die Entwicklung des Stromverbrauchs während dieser Zeit ist schwierig vorauszusehen. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass in den kommenden Jahren eine spürbare Verlagerung von den fossilen Heiz- und Treibstoffen zur elektrischen Energie stattfinden wird. Neubauten werden zunehmend mit strombetriebenen Wärmepumpen ausgerüstet (parallel zur Einführung des Minergie-Standards). Autos mit Elektroantrieb und Lithium-Ionen-Batterien für einen Aktionsradius bis zu ca. 200km sind von mehreren bekannten Herstellern bereits ins Programm der nächsten Jahre aufgenommen worden. Für längere Fahrten werden Brennstoffzellen weiterentwickelt. Der dabei benötigte Wasserstoff wird für den Strassenverkehr am effizientesten direkt bei den Tankstellen mit Elektrolyse (und damit elektrischer Energie) hergestellt.

Die eigentliche Bauphase eines Kernkraftwerks dauert nur etwa fünf Jahre. Die Projektierungsphasen und vor allem das mehrstufige Bewilligungsverfahren mit allen sich abzeichnenden politischen Seilziehen dauern wesentlich länger. Um die Unsicherheit bei der Abschätzung des zukünftigen Stromverbrauchs zu entschärfen, gibt es nur eine Methode: Genügend Projekte zeitlich versetzt vorantreiben, deren Realisierung vom unmittelbar vor dem Baubeginn besser abschätzbaren Strombedarf abhängig ist. So wird auch die Weiterentwicklung der Reaktortechnik berücksichtigt. Parallel dazu sind zusammen mit engagierten Umweltschützern Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu verwirklichen und Impulse zu setzen, um die Energieeffizienz zu erhöhen. Nur so ist es allenfalls möglich, auf das eine oder andere Atomkraftwerk verzichten und die Stromversorgung in unserem Land trotzdem garantieren zu können.


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Benedikt Jorns said:

14.06.2009 – Artikel in verschiedenen Schweizer Zeitungen:

“Neue AKW: Stromkonzerne schalten auf stur

Bis Ende Juni sollten sich die drei grossen Stromkonzerne auf zwei Standorte für ein neues AKW einigen. Doch alle beharren auf dem eigenen Projekt. Die Sache ist verzwickt, und die Zeit eilt. Jeder der drei grossen Stromkonzerne will ein neues Atomkraftwerk bauen: Alpiq in Gösgen (SO), Axpo in Beznau (AG) und die BKW in Mühleberg (BE). Alpiq hat das Gesuch Anfang Juni 2008 eingereicht, Axpo und die BKW gemeinsam Ende 2008. Seit zwölf Monaten versichern die drei Konzerne, dass sie sich auf zwei Standorte einigen werden. Als Termin hat ihnen der Bundesrat Ende Juni 2009 vorgegeben: Wenn bis dann ein Gesuch zurückgezogen werde, könnten die beiden andern rascher behandelt werden.“

Das Bewilligungsverfahren und der Bau von Kernkraftwerken dauern in unserer direkten Demokratie sehr lange. Kein anderes Land benötigt dazu fast 20 Jahre. Die Entwicklung des Stromverbrauchs während dieser Zeit ist schwierig vorauszusehen. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass in den kommenden Jahren eine spürbare Verlagerung von den fossilen Heiz- und Treibstoffen zur elektrischen Energie stattfinden wird. Neubauten werden zunehmend mit strombetriebenen Wärmepumpen ausgerüstet (parallel zur Einführung des Minergie-Standards). Autos mit Elektroantrieb und Lithium-Ionen-Batterien für einen Aktionsradius bis zu ca. 200km sind von mehreren bekannten Herstellern bereits ins Programm der nächsten Jahre aufgenommen worden. Für längere Fahrten werden Brennstoffzellen weiterentwickelt. Der dabei benötigte Wasserstoff wird für den Strassenverkehr am effizientesten direkt bei den Tankstellen mit Elektrolyse (und damit elektrischer Energie) hergestellt.

Die eigentliche Bauphase eines Kernkraftwerks dauert nur etwa fünf Jahre. Die Projektierungsphasen und vor allem das mehrstufige Bewilligungsverfahren mit allen sich abzeichnenden politischen Seilziehen dauern wesentlich länger. Um die Unsicherheit bei der Abschätzung des zukünftigen Stromverbrauchs zu entschärfen, gibt es nur eine Methode: Genügend Projekte zeitlich versetzt vorantreiben, deren Realisierung vom unmittelbar vor dem Baubeginn besser abschätzbaren Strombedarf abhängig ist. So wird auch die Weiterentwicklung der Reaktortechnik berücksichtigt. Parallel dazu sind zusammen mit engagierten Umweltschützern Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu verwirklichen und Impulse zu setzen, um die Energieeffizienz zu erhöhen. Nur so ist es allenfalls möglich, auf das eine oder andere Atomkraftwerk verzichten und die Stromversorgung in unserem Land trotzdem garantieren zu können.


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Benedikt Jorns said:

14.06.2009 – Artikel in verschiedenen Schweizer Zeitungen:

“Neue AKW: Stromkonzerne schalten auf stur

Bis Ende Juni sollten sich die drei grossen Stromkonzerne auf zwei Standorte für ein neues AKW einigen. Doch alle beharren auf dem eigenen Projekt. Die Sache ist verzwickt, und die Zeit eilt. Jeder der drei grossen Stromkonzerne will ein neues Atomkraftwerk bauen: Alpiq in Gösgen (SO), Axpo in Beznau (AG) und die BKW in Mühleberg (BE). Alpiq hat das Gesuch Anfang Juni 2008 eingereicht, Axpo und die BKW gemeinsam Ende 2008. Seit zwölf Monaten versichern die drei Konzerne, dass sie sich auf zwei Standorte einigen werden. Als Termin hat ihnen der Bundesrat Ende Juni 2009 vorgegeben: Wenn bis dann ein Gesuch zurückgezogen werde, könnten die beiden andern rascher behandelt werden.“

Das Bewilligungsverfahren und der Bau von Kernkraftwerken dauern in unserer direkten Demokratie sehr lange. Kein anderes Land benötigt dazu fast 20 Jahre. Die Entwicklung des Stromverbrauchs während dieser Zeit ist schwierig vorauszusehen. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass in den kommenden Jahren eine spürbare Verlagerung von den fossilen Heiz- und Treibstoffen zur elektrischen Energie stattfinden wird. Neubauten werden zunehmend mit strombetriebenen Wärmepumpen ausgerüstet (parallel zur Einführung des Minergie-Standards). Autos mit Elektroantrieb und Lithium-Ionen-Batterien für einen Aktionsradius bis zu ca. 200km sind von mehreren bekannten Herstellern bereits ins Programm der nächsten Jahre aufgenommen worden. Für längere Fahrten werden Brennstoffzellen weiterentwickelt. Der dabei benötigte Wasserstoff wird für den Strassenverkehr am effizientesten direkt bei den Tankstellen mit Elektrolyse (und damit elektrischer Energie) hergestellt.

Die eigentliche Bauphase eines Kernkraftwerks dauert nur etwa fünf Jahre. Die Projektierungsphasen und vor allem das mehrstufige Bewilligungsverfahren mit allen sich abzeichnenden politischen Seilziehen dauern wesentlich länger. Um die Unsicherheit bei der Abschätzung des zukünftigen Stromverbrauchs zu entschärfen, gibt es nur eine Methode: Genügend Projekte zeitlich versetzt vorantreiben, deren Realisierung vom unmittelbar vor dem Baubeginn besser abschätzbaren Strombedarf abhängig ist. So wird auch die Weiterentwicklung der Reaktortechnik berücksichtigt. Parallel dazu sind zusammen mit engagierten Umweltschützern Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu verwirklichen und Impulse zu setzen, um die Energieeffizienz zu erhöhen. Nur so ist es allenfalls möglich, auf das eine oder andere Atomkraftwerk verzichten und die Stromversorgung in unserem Land trotzdem garantieren zu können.


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Benedikt Jorns said:

29.05.2009 - Der Gemeinderat der Stadt Bern hat soeben beschlossen, bis 2039 aus der Atomenergie auszusteigen. Bern gehöre damit – so der Gemeinderat – schweizweit zu den Schnellsten. Wahrlich, auch der langsam trottende Bär kann, wenn er will, schnell rennen und sogar auf hohe Bäume klettern!

Eigentlich sollte uns ja allen klar sein, dass sich die Gesellschaft und mit ihr die Politik stets verändern. Selbst der amerikanische Präsident – zur Zeit wohl der mächtigste Mensch auf Erden – weiss genau, dass nach seiner max. 8-jährigen Amtszeit die Karten neu gemischt werden. Einzig grosse Bauwerke und der daraus resultierende Einfluss auf unser Leben haben längere Perspektiven. Natürlich ist es auch möglich, langfristige Entwicklungen voraus zu sehen und entsprechende Politik zu betreiben.

Für den Ausstieg aus der Kernenergie will Energie Wasser Bern bis 2039 jedes Jahr neue Produktionskapazitäten von durchschnittlich 11 Gigawattstunden (GWh) Strom schaffen. Alle sechs Jahre müsste demnach die Kapazität des Kraftwerks Felsenau neu in Betrieb genommen werden. In werkeigenen Anlagen ist das kaum möglich. Zwar ist es durchaus realistisch, in dieser Grössenordnung Bezugsrechte aus Kraftwerken zu erstehen, doch sinnvoll ist dies nur, wenn dabei in neu zu erstellende Anlagen investiert wird.

Etwa 40% des Schweizer Stroms werden in Kernkraftwerken produziert. Der von EWB verkaufte Strom stammt sogar zu ca. 60% aus KKW. Das sind jährlich mehr als 1'000 GWh. In 30 Jahren bringt eine jährliche Produktionssteigerung von 11 GWh nur etwa 330 GWh. Im Moment wächst der Strombedarf in der Stadt Bern trotz wachsender Energieeffizienz jährlich um etwa 2.7%. Da sich bereits für die kommenden Jahre in der Schweiz eine allmähliche Verlagerung von den fossilen Brennstoffen zu andern Energiequellen abzeichnet, wird wahrscheinlich der Strombedarf jährlich noch mehr ansteigen. So werden z.B. neue Häuser in Zukunft vorwiegend mit Wärmepumpen (und damit Strom) geheizt und für die nächsten Jahre haben schon mehrere bekannte Hersteller Autos mit Elektroantrieb und Lithium-Ionen-Akkus in ihr Programm aufgenommen. Zudem werden Brennstoffzellen weiterentwickelt, welche Wasserstoff als Treibstoff verwenden. Gemäss neusten Erkenntnissen wird dieser wegen dem aufwändigen und teuren Transport mit schweren und sicheren Druckbehältern am besten vorwiegend dezentral bei den Tankstellen mit Elektrolyse (und damit Strom) hergestellt.

Es ist sehr lobenswert, wenn sich der Berner Gemeinderat für die Förderung der erneuerbaren Energie einsetzt. Dass er heute von einer Atomkraftwerk freien Zeit in 30 Jahren träumt, ist jedoch weit weg von der Realität. Doch lassen wir uns überraschen. Voraussichtlich 2013 findet die Volksabstimmung über die eingereichten KKW-Projekte Mühleberg, Gösgen und Beznau statt. Vielleicht erstellt oder zumindest finanziert „Energie Wasser Bern“ bis dann so viele Anlagen für die Produktion erneuerbarer Energie, dass wir vom Ausstieg aus der Atomenergie überzeugt sind!

Sehen wir doch die Zukunft unserer Energieversorgung ehrlich und realistisch: Wer glaubt, mit Energieeffizienz und erneuerbarer Energie „wäre die Energielücke zu vermeiden“, sieht leider nicht, dass er/sie mengenmässig die kommenden Energieprobleme bei weitem unterschätzt. Es geht nicht nur darum, den 17%-Anteil des heutigen Weltstrombedarfs zu decken, sondern langfristig die weltweite Gesamtenergieversorgung auch ohne Erdöl, Erdgas und Kohle zu ermöglichen. Im Moment sind wir auch beim Erreichen einer optimalen Energieeffizienz noch sehr weit von diesem Ziel entfernt. Ob wir heute mehr oder weniger KKW bauen, Solarpannels installieren und Windkraftwerke erstellen ist weniger wichtig, als dass wir alle denkbaren Arten von Anlagen in so grosser Zahl und in verschiedenen Ländern betreiben, dass die allseitig zu fördernde Weiterentwicklung der Energiegewinnung gewährleistet ist.

Auch wenn viele es gerne anders sehen würden, es braucht alle drei: Energieeffizienz, erneuerbare Energie und Kernenergie (inkl. Kernfusion).

Siehe auch unter Eignerstrategie der Stadt Bern für EWB


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Benedikt Jorns said:

Die Meinungen über den zukünftigen weltweiten Energieverbrauch und über die zu erwartenden Anteile der verschiedenen Energiequellen gehen stark auseinander. Das ist in der heutigen Situation sehr verständlich; es ist alles andere als einfach, Voraussagen zu machen. Hier ist ein Versuch, die Entwicklung des weltweiten Energieverbrauchs sowie der Nutzung von erneuerbaren Energien und der Kernenergie bis ins Jahr 2200 grafisch darzustellen. Auch wenn diese Abschätzungen zum heutigen Zeitpunkt nur meine persönliche Sicht wiedergeben und wohl noch weit entfernt von der kommenden Realität sind, können sie im Vergleich zu anderen Voraussagen bei der Diskussion nützlich sein. Es ist anzunehmen, dass während den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Sicht in unsere Energie-Zukunft langsam vom heute noch vorhandenen Nebel der Unsicherheit befreit wird. Die hier gezeigten Grafiken sind stets an die neusten Erkenntnisse anzupassen.


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